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Neuer Tourismusdirektor für Würzburg

Würzburg – Mancher Teamchef sagt zum Abschied auf dem Höhepunkt, dass man nun auf Jahre hinaus unschlagbar sein wird, beim Abschied von Tourismusdirektor Peter Oettinger im Rahmen des 3. Tourismusforums gab es hingegen eine nüchternere und faktenreiche Bestandsaufnahme. Wo steht die Destination Würzburg 2018 und was wird die Zukunft bringen?

Manfred Zeiner vom Deutschen Wirtschaftswissenschaftlichen Institut und Geschäftsführer von dwif-Consulting übernahm diese Analyse. Er hatte Zahlen und Zusammenhänge aufbereitet, die auf der einen Seite belegten, dass es in den über 30 Jahren, die Oettinger in Würzburg diente, stets bergauf ging, aber auch wo vorerst Fahnenstangen ein Ende haben.

„Das ungewöhnliche an diesen Wachstumszahlen ist, dass diese eigentlich immer einen gleichzeitigen Anstieg der Hotelbettenkapazitäten voraussetzen“, analysierte Zeiner eine Würzburger Besonderheit. Hier sei es hingegen gelungen bei einem über Jahrzehnte gleichem Angebot, die Auslastung stetig zu erhöhen. Die Übernachtungen in gewerblichen Betrieben seien aber nur ein Indikator für den Erfolg.

Hier kratzte man 2017 die Millionenmarke, wirft man aber einen Blick auf die touristischen Aufenthaltstage kommt man auf stolze 14,4 Millionen. Berufspendler und die täglichen Besorgungen von Landkreisbewohnern sind hier bereits rausgerechnet. In dieser Kennziffer offenbart sich das ganze Tourismus-Potenzial: „Dem Museum ist egal, ob ein Besucher vielleicht bei einem Freund übernachtet oder nur für einen halben Tag in der Stadt ist. Auch dem Wirt ist dies egal. Oder dem Winzer“, näherte sich Zeiner der maßgeblichen Kategorie Wertschöpfung.

Die Berechnungen des Instituts ergaben beeindruckende Zahlen: Auf rund 690 Millionen Euro addieren sich die Bruttoumsätze der Besucher, die vor kaum einer Branche halt machen. Größter Profiteur des Tourismus ist mit rund der Hälfte des Kuchens der Würzburger Einzelhandel, aber indirekt profitieren auch Steuerberater, Werbeagenturen, Bauleute oder die zahlreichen Zulieferer für Hotels und Gaststät-ten. Bereinigt kommt man auf 302,4 Millionen Euro „touristische Ein-kommenseffekte“.

Oder anders ausgedrückt, wenn aus diesem großen Einnahmenpool Gehälter bezahlt würden, könnte ein Unternehmen „Tourismus“ 10.370 Personen beschäftigen und mit einem Würzburger Durchschnittsgehalt ausstatten. Diese enorme Dimension dürfte auch für viele langjährige Weggefährten Peter Oettingers neu gewesen sein. Auf der Panorama-Ebene des CCW hatten sich über 200 Kolleginnen und Kollegen aus der Tourismus-Branche, Stadtverwaltung und Stadtrat eingefunden.

Sie lauschten dann auch den Reden zur Staffelholzübergabe von Peter Oettinger an seinen Nachfolger Björn Rudek. Beide Tourismusdirektoren, die noch bis Mitte August gemeinsam Dienst tun, kennen sich bereits seit 15 Jahren auch über Rudeks letzte Tätigkeit als Geschäftsführer der Vereinigung Historic Highlights of Germany, zu denen auch Würzburg gehört. Der 40-jährige Diplom-Geograph wurde in einer freundschaftlichen Interviewatmosphäre vorgestellt und mit großem Applaus willkommen geheißen, im Fokus stand aber natürlich an diesem Abend der Lotse der von Bord geht.

Oberbürgermeister Christian Schuchardt würdigte in seiner Dankesrede die fortwährend großen Erfolge und die Innovationskraft Oettingers – beispielsweise durch die Einführung von Marketing-Methoden und dann die internationale Vernetzung im Städtemarketing oder sein besonderes Steckenpferd die Gästeführer-Ausbildung, ein Modell das später viele Städte kopieren sollten.

Peter Oettinger hinterlasse aber auch aufgrund seiner Persönlichkeit, Kollegialität und Bodenhaftung große Fußspuren. „Schuhgröße 47“ erfuhr der OB auf Nachfrage noch eine wichtige Zahl zum Würzburger Tourismus in den vergangenen drei Dekaden. In diese Zeit fielen große Events: zwei Landesgartenschauen, die Tiepolo-Ausstellung 1996, das Stadtjubiläum 2004 oder auch die Landesausstellung über „Wiederaufbau und Wirtschaftswunder“ im Jahr 2009.

Beim größten Meilenstein muss man nicht so weit in die Vergangenheit zurück. Es ist der Ausbau des Kongress- und Tagungsstandorts CCW mit Oettinger in der verantwortungsvollen Position des Bauherrn. Diese Sonder-Aufgabe über mehrere Jahre bezeichnete der scheidende Tourismusdirektor als die Erfüllung seines zweiten großen Karriere-Traums. Der erste Wunsch war bereits im jungen Studenten Oettinger gereift. Er wollte einmal den damals noch „Fremdenverkehrsamt“ genannten Bereich in Würzburg leiten, dieser Wunsch sollte nach prägenden Jahren bei der Stadt Nürnberg bereits früh in Erfüllung gehen. Bei Amtsantritt war er bundesweit der jüngste Vertreter seiner „Zunft“. Es folgten viele Jahre getreu seinem Motto „Kooperation kontra Kirchturmpolitik“.

Gemäß dieser Philosophie gab es nun auch ein großes Netzwerk bei dem sich Oettinger bedanken wollte. Eingestellt unter Klaus Zeitler, arbeite er auch für die Oberbürgermeister Jürgen Weber, Pia Beckmann und Georg Rosenthal und Christian Schuchardt. Passend zum Bau des CCW gab es auch ein Abschiedsgeschenk, das Schuchardt zusammen mit seinen Stellvertretern Adolf Bauer und Marion-Schäfer-Blake überreichte: die Sammlung Eckert ist die Plansammlung aus dem Nachlass des wohl berühmtesten Bauherrn der Stadt. Das Werk Balthasar Neumanns würdigte der Echter-Verlag vor einigen Jahren mit einem hochwertigen Buch, das einen ganzen Koffer füllt. In diesem Fall ein „Reisekoffer“ für den scheidenden Tourismusdirektor.


Bild: Abschied nach über 30 Jahren: Oberbürgermeister Christian Schuchardt, Bürgermeisterin Marion Schäfer-Blake und Bürgermeister Adolf Bauer sagen mit der „Sammlung Eckert“ Dankeschön bei Tourismusdirektor und Bauherr Peter Oettinger. Bild: Georg Wagenbrenner (Foto: Georg Wagenbrenner)

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