4.000 Teilnehmer: Förderprogramm Lokaler Aktionsplan sehr gefragt |  wuerzburg24.com

4.000 Teilnehmer: Förderprogramm Lokaler Aktionsplan sehr gefragt

Würzburg – Busfahrtickets, Fahrradersatzteile, Spraydosen, Getränke oder Kostüme: Ein Blick auf die zahlreichen Belege, die seit 2011 im Rahmen des sogenannten Lokalen Aktionsplans (LAP) abgerechnet wurden, zeigt, man kann offensichtlich auf unterschiedlichste Wege, ein hohes Ziel erreichen: „Toleranz fördern – Kompetenz stärken“. So lautet der Name eines Förderprogramms des Bundes, das sich in Würzburg inzwischen großer Nachfrage erfreut.

„Bereits 80 Projekte wurden bisher finanziell unterstützt. Wir schätzen, dass rund 4000 Personen bislang erreicht wurden“, ziehen die externe Projektleiterin Stefanie Köster und Lucas Wejda, Ansprechpartner im Sozialreferat, eine positive Zwischenbilanz.

Initiative gegen Vorurteile und für zivilgesellschaftliches Engagement

Bund und Stadt lassen sich diese Initiative gegen Vorurteile und für zivilgesellschaftliches Engagement einiges kosten. 110.000 Euro stehen auch für das Jahr 2014 zur Verfügung – 90.000 vom Familienministerium, 20.000 von der Stadt. Natürlich werden nicht nur Sachkosten übernommen, auch Personalkosten können in Rechnung gestellt werden, wenn das eingereichte Konzept überzeugt. Und dafür gibt es viele Beispiele, seit vom Bündnis für Zivilcourage die Initiative kam, dass auch Würzburg enorm von einem LAP profitieren könnte und man sich gemeinsam erfolgreich um die Teilnahme bewarb. Die Projekte haben bei aller Verschiedenheit gemein, dass sie von Vereinen, Initiativen, Kirchen oder Verbänden (nicht aber von Einzelpersonen) beantragt werden können. Die Antragsteller sind also meist bekannte Würzburger Institutionen. Neu müssen allerdings die konkreten Ideen sein. Eine Förderung gibt es zudem immer nur für ein Jahr. Bei einer gewünschten Verlängerung muss auch das Konzept erweitert werden.

Die Entscheidung welche Projekte zum Zug kommen, treffen ebenfalls gute Kenner der lokalen Strukturen; die 13 stimmberechtigten Mitglieder im Begleitausschuss sind Würzburger Netzwerker und zivilgesellschaftliche Größen – das Parteibuch spielte bei der Besetzung dieser „Jury“ keine Rolle. Ein kleinerer Lenkungsausschuss, dem auch Sozialreferent Robert Scheller angehört, bereitet die Beratungen vor.

Welche Ideen überzeugten bislang? Die Bandbreite ist enorm: Eines der kleinsten Projekte war ein Hip-Hop-Workshop für nur eine Handvoll Schüler des Sonderpädagogischen Förderzentrums am Heuchelhof. Beim „Reim-Aktions-Plan (RAP)“ lernten die benachteiligten Jugendlichen die Macht der Worte kennen und schöpften so am Mikrofon neues Selbstbewusstsein. Bei einem weiteren Projekt am Heuchelhof war die Zielgruppe bei letztlich rund 400 Teilnehmern wesentlich größer, leider muss man fast sagen, denn der Arbeitstitel „Mobben stoppen“ verweist natürlich auf ein brisantes Problemfeld im Schulalltag. An der Mittelschule gab es hierzu Theateraktionen, Anti-Aggressionstrainings und eine Ausstellung selbstgestalteter Plakate. Aktivitäten, die sich so sonst nicht im Lehrplan finden.

Die LAP-Projekte richten sich natürlich nicht nur an Kinder oder Schüler, die Filmvorstellung „Die Farbe des Ozeans“ im Cinemaxx mit anschließender Diskussionsrunde zu Flüchtlingsschicksalen und den Grenzen Europas war beispielsweise sicher eher Stoff für ältere Jugendliche und Erwachsene. Die Flüchtlinge, die in Würzburg in der Gemeinschaftsunterkunft leben, profitierten bislang von einer ganzen Reihe von Initiativen.

Beim SV Oberdürrbach gibt es zum Beispiel seit 2011 ein integratives Sportprogramm. Seit 2012 wird auch ein Selbstverteidigungskurs für Frauen angeboten. Das Projekt richtet sich nicht nur an die „GU-ler“, erklärtes Ziel ist vielmehr auch dazu beizutragen, bei den Bewohnern des Dürrbachtals vorhandene Vorurteile und Berührungsängste gegenüber Asylantragsstellern abzubauen. Dies geschah sicher auch beim Einrichten neuer Spielbereiche in der GU durch Montessori-Schüler oder durch eine Kooperation von Don Bosco Berufsbildungswerk und Erthal-Sozialwerk. 2013 wurden für die Flüchtlinge gebrauchte Fahrräder ertüchtigt.

Dies ist natürlich nur eine kleine Projekt-Auswahl. Viele durch das Programm geförderte Aktionen richten sich auch gezielt an Multiplikatoren. So gab es beispielsweise eine Bürgerwerkstatt „Notfallpläne gegen Rechtsextremismus“. In der Jugendbildungsstätte Unterfranken beriet man sich einen Tag, welche Reaktionen angemessen sind, wenn sich beispielsweise eine rechtsextreme Kundgebung angekündigt oder sogenannte „Schulhof-CDs“ in Umlauf gebracht werden. Für den 23. Oktober bereitet man derzeit ein weiteres prominent besetztes Symposium vor. Unter dem Titel *Halt geben“ geht es dann um Kinder und Jugendliche im Sog des Rechtsradikalismus. Familien und Freunden sollen Strategien aufgezeigt werden, wie man gemeinsam auf den rechten Weg zurückfindet.

Etwa 2.500 Euro beträgt derzeit die durchschnittliche Fördersumme für ein Projekt. Die Förderquote sei generell hoch, allerdings werde oft nicht die gesamte beantragte Summe bewilligt. „Die Antragsteller werden von uns intensiv begleitet. Die Unterlagen gehen unter Umständen häufiger zur Nachbesserung zurück. Mit Blick auf das Konzept oder mit Blick auf die Finanzen. Wenn beispielsweise eine Kamera extra
angeschafft werden soll, empfehlen wir, sich besser an die Video-Werkstatt des Jugendkulturhaus Cairo oder eine andere Verleihstelle zu wenden“, berichtet Sozialarbeiter Lucas Wejda aus der Praxis, in der es auch gilt, unterschiedliche Akteure zusammenzubringen.

Die Steigerung solcher Vernetzungen schätzt auch Sozialreferent Robert Scheller am LAP: „Durch das Förderprogramm sind viele neue Kooperationen zustande gekommen. Wir sind natürlich weiterhin auf ehrenamtliches Engagement angewiesen, in vielen Bereichen sind wir aber wesentlich produktiver geworden. Durch die bessere Konzeption und Vernetzung kommen Leute gezielt dort zum Einsatz, wo sie aufgrund ihrer Fähigkeiten oder Erfahrungen viel bewirken können. Es ist auch eine hohe Anerkennung des Ehrenamts, wenn man einem uneigennützigen Initiator kleinere finanzielle Risiken einfach abnehmen kann.“

Das Programm läuft noch das ganze Jahr. Für die zweite Jahreshälfte ist der Bewerbungsschluss Ende Mai. Ausführliche Informationen und Kontaktdaten unter www.lap-wuerzburg.de.


Bild: Auseinandersetzung mit einem Dauerbrenner: Die Mittelschule Heuchelhof gab das Motto aus ‚Mobben stoppen‘. (Foto: Lokaler Aktionsplan)

Vielleicht gefällt dir auch