Empfang zum Europatag im Rathaus: Die EU - in Bewegung und in Stein gehauen |  wuerzburg24.com

Empfang zum Europatag im Rathaus: Die EU – in Bewegung und in Stein gehauen

Europa wurde beim Empfang der Stadt Würzburg zum Europatag von allen Seiten beleuchtet, dank einer Pflasterarbeit der Tiefbau-Auszubildenden auch von oben. (Foto: Georg Wagenbrenner)
Europa wurde beim Empfang der Stadt Würzburg zum Europatag von allen Seiten beleuchtet, dank einer Pflasterarbeit der Tiefbau-Auszubildenden auch von oben. (Foto: Georg Wagenbrenner)

Würzburg – „Wenn Sie die Bundesregierung kritisieren, stellen sie doch auch nicht automatisch die Existenzberechtigung der Bundesrepublik in Zweifel“, diesen Vergleich hielt Henning Arp, der Leiter der Vertretung der Europäischen Kommission am Standort München, Europa-Kritikern entgegen, die angesichts der aktuellen Finanzkrise weit übers Ziel hinausschießen würden. Die Stadt Würzburg beging mit einem Empfang im Ratssaal den Europatag der Europäischen Union.

Am 9. Mai erinnert man sich europaweit an die Erklärung des damaligen französischen Außenministers Robert Schuman. Er schlug 1950 vor, eine Produktionsgemeinschaft für Kohle und Stahl zu schaffen. Nur wenige Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg die Geburtsstunde eines kleinen europäischen Staatenbundes auf wirtschaftlicher Ebene, dem Jahrzehnte später auch die EU folgen sollte, wie wir sie heute kennen – mit weitreichenden Kompetenzen und einem wesentlich größeren Geltungsgebiet.

Prof. Dr. Gisela Müller-Brandeck-Bocquet definierte in ihrem Beitrag wie Europa den Bürgern heute „schützen und nützen“ könne. Die Würzburger Professorin für Europaforschung und Internationale Beziehungen begann mit einer kritischen Bestandaufnahme und sie schilderte auch die unterschiedlichen Ressentiments, die durch die Krise hervorgebracht wurden und nun die Errungenschaften von 55 Jahren Integrationsleistung gefährdeten. Die Analyse ließ aber keinen Zweifel daran, dass Lösungen beispielsweise angesichts einer „Finanzwirtschaft außer Rand und Band“ weltweit von keiner anderen Kraft als der europäischen Union ausgehen könnten.

Oberbürgermeister Georg Rosenthal und Kulturreferent Muchtar Al Ghusain, dessen Ressort die Jubiläumsfeier „Würzburg feiert 40 Jahre Europapreis“ mit vielen Partnern organisiert hat, dankten den Festrednern und warben für das vielfältige Veranstaltungsprogramm bis in den Oktober hinein. Ein Höhepunkt sei laut Rosenthal bereits die Vollversammlung der Europapreisträgerstädte gewesen, die am gleichen Ort vergangenes Wochenende beispielsweise zum Thema Jugendarbeitslosigkeit getagt hatte. Welche konkreten Schritte auf europäischer Ebene vorgesehen sind, um jungen Menschen neue Perspektiven zu eröffnen, darauf ging auch Arp ein, der beispielsweise das sechs Milliarden Euro schwere Programm EU-Jugendgarantie vorstellte. Neue Perspektiven sollen künftig auch von Würzburg ausgehen. Georg Rosenthal dankte beim feierlichen Empfang seiner Gattin Hanna für das erfolgreiche Werben bei der Würzburger Wirtschaft um Gelder für Stipendien, die Studierenden aller Europapreisträger-Städte – derzeit sind dies 72 – künftig zwei Semester Hochschulstudium in Würzburg ermöglichen sollen.

Die Idee Europas beschäftigt in Würzburg momentan sehr viele Personen und Institutionen, mit unterschiedlichsten Ergebnissen: Die Besucher des Empfangs sahen im Ratssaal zwei kurze Filme, einen der Mönchberg-Schule zur Europa-Hymne aus vielen Kinder-Mündern und eine Collage der AnwärterInnen bei der Stadt Würzburg, die junge Menschen nach den Vor- und Nachteilen Europas fragten und sehr direkte Antworten bekamen. Und auch vor den Rathaus-Toren gab es Europäisches zu bestaunen. Die Auszubildenden der Abteilung Tiefbau steuerten zum Jubiläumsjahr eine filigran gepflasterte Europa-Fahne vor dem Grafeneckart bei, die direkt nach den Reden feierlich enthüllt wurde.

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