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Würzburg benennt Straße nach Friedensaktivist Franz Rauhut

Würzburg – Der Abschnitt der Sanderstraße, das zwischen Sanderring und Sanderglacisstraße den Ringpark teilt, heißt nun „Franz-Rauhut-Straße“. Die Nachfahren von Prof. Dr. Franz Rauhut enthüllten bei strahlendem Sonnenschein das neue Straßenschild.

Gewürdigt wird mit der Benennung ein „hervorragender Wissenschaftler und leidenschaftlicher Friedensfreund“, sagte Oberbürgermeister Christian Schuchardt. Franz Rauhuts Leben lässt sich, wie es einer seiner vielen Schüler, Dr. Richard Schwaderer formulierte, unter drei Überschriften einteilen: „Romanist, Humanist, Pazifist.“

Franz Rauhut wurde am 2. Oktober 1898 in Frankenthal geboren, 1918 kam er zum Studium der Romanistik, Germanistik und Geschichte nach Würzburg. Der Promotion 1925 in Würzburg und der Habilitation 1928 in München im Fach Romanistik folgte eine Tätigkeit als Privatdozent in München. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 entstanden ihm durch seine distanzierte Haltung zum Regime berufliche Nachteile. Sichtlich bemüht, sich von der politischen Ideologie fernzuhalten, wurde er als „politisch unzuverlässig“ in der Universität isoliert. Ungeachtet seiner Distanziertheit ging er als Staatsbediensteter aber Kompromisse ein und arrangierte sich zumindest ein Stück weit mit den Verhältnissen. Als ordentlicher Professor für Romanische Philologie konnte er aber erst nach dem Krieg tätig werden.

Neben seiner herausragenden fachlichen Qualifikation als Romanist, machte sich Rauhut seit den 1950-er Jahren vor allem einen Namen mit seinem Engagement in der Friedensbewegung. Er setzte sich für die deutsch-französische Aussöhnung ein und war ein aktiver Gegner der Wiederbewaffnung der Bundesrepublik und der atomaren Aufrüstung. Von 1972 bis 1976 gab er die „Pazifistische Rundschau“ heraus und schaltete sich regelmäßig mit pazifistischen Publikationen in die politische Debatte ein.

Rauhut sei ein Beispiel und Vorbild, so Dr. Richard Schwaderer: „Ein Wissenschaftler, der über seinen Bereich Verantwortung übernahm, auch gegen herrschende politische Diskurse, und der unbeirrt seine Friedensbotschaft vertrat.“ In der Nachkriegszeit gründete Rauhut eine pazifistische Gruppierung, deren Vorsitz er bis zu seinem Lebensende 1988 behielt. In den 1970er-Jahren brachten ihm seine politischen Angriffe den Ruf ein, „vom Osten gesteuert“ zu sein, ein. 1978 schrieb er: „Unsere heutige Auffassung von Kultur ist erschreckend: Der Materialismus herrscht, Geld ist der Maßstab und das Ziel und hat die Ethik ersetzt. Er ist der Terrorismus unserer Zeit, der zur Vernichtung unserer Kultur führt.“

In den 80er-Jahren war der Pazifist von Beginn an Mitglied der Würzburger Friedensinitiative. Als „gerichtlich ermächtigter Berater für Kriegsdienstverweigerer und Beistand im Prüfungsverfahren vor dem Kreiswehrersatzamt“ beriet er über 32 Jahre lang Kriegsdienstverweigerer. Er gab das Standardwerk „Kriegsdienstverweigerung heute“ heraus. Posthum wurde 1990 sein letztes Werk „Was der Friede heute braucht“ veröffentlicht.

„Die Welt braucht immer wieder Mahner für eine ideale Welt ohne Waffen und Soldaten“, meint Oberbürgermeister Christian Schuchardt und bekräftigt: „Mit der Benennung einer Straße nach Franz Rauhut setzt die Stadt Würzburg ein Zeichen. In einer Zeit, in der überwunden geglaubtes Lagerdenken wieder auflebt, die großen Mächte wieder zunehmend auf Konfrontationskurs gehen, Abrüstungsverträge entsorgt werden und ein neues, auch nukleares Wettrüsten droht, unterstreichen wir unsere Sehnsucht nach einem dauerhaften Frieden für alle Menschen auf unserer Welt.“

Der Antrag zur Benennung einer Straße nach Franz Rauhut war interfraktionell gestellt worden. Zum offiziellen Akt der Straßenbenennung waren neben Verwandten und Stadträtinnen und Stadträten auch die ehemalige Oberbürgermeisterin Dr. Pia Beckmann, der ehemalige Universitätspräsident und Romanist Prof. Dr. Theodor Berchem, Mitglied der Geschichtswerkstatt Helmut Försch, Studentenpfarrer der KHG Burkard Hose, Rechtsanwalt Prof. Arnold-Köpcke-Duttler, Sprecherin des Würzburger Flüchtlingsrats Eva Peteler gekommen.

Die heutige Franz-Rauhut-Straße wird der Professor im Übrigen selbst häufig genommen haben: auf dem Weg von seiner Wohnung in der Sonnenstraße hin zu seinem Arbeitsplatz an der Julius-Maximilians-Universität.


Bild: Der Enkel von Franz Rauhut durfte das Straßenschild enthüllen und ein Exemplar mitnehmen: v.re: Prof. Dr. Holger Rauhut, Oberbürgermeister Christian Schuchardt, Peter Rauhut-Weber (Neffe von Franz Rauhut), Bürgermeisterin Marion Schäfer-Blake, Romanist Prof. Dr. Richard Schwaderer. (Foto: Claudia Lother)

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