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Startschuss für den besseren Verkehrsfluss

Würzburg – Um die Luftqualität für alle Würzburger Bürger zu verbessern, soll mit dem Umweltorientierten Verkehrs- und Mobilitätsmanagement (UVM) der Autoverkehr flüssiger und in Verbindung mit begleitenden Informations- und Mobilitätsdiensten zugleich auch umweltverträglicher gestaltet werden. Der erste Detektor für das vom Bund geförderte System wurde am Dienstag in der Grombühlstraße im Beisein aller Projektpartner montiert.

Um die von der EU vorgegebenen, gesetzlichen Grenzwerte zur Luftreinhaltung einzuhalten, wird in Würzburg ein „Umweltorientiertes Verkehrs- und Mobilitätsmanagement“ (UVM) implementiert. Umgesetzt wird das System zunächst im Bereich der Würzburger Innenstadt, denn hier sind die NO2-Jahresmittelwerte heute naturgemäß am höchsten. Von diesen Grenzwertüberschreitungen sind rund 2.000 Einwohner direkt betroffen.

Oberbürgermeister Christian Schuchardt: „Diese Anstrengungen richten sich direkt auf die seit Jahren bekannten Hotspots. Profitieren wird aber die Stadt in Gänze, wenn der Verkehrsfluss durch intelligente Steuerungen mit Echtzeitdaten alle Verkehrsteilnehmer verbessert wird.“

Umweltorientierte und leistungsfähige Steuerung des Verkehrsablaufes 

Das Konzept UVM sieht vor, durch eine umweltorientierte und netzadaptive Steuerung des Straßenverkehrs in Würzburg die NO2-Belastung an den Straßenabschnitten mit NO2-Grenzwertüberschreitungen nachhaltig zu reduzieren. Voraussetzungen für das UVM sind die Echtzeit-Erfassung, Vernetzung und öffentliche Bereitstellung einer Vielzahl relevanter Daten (Open Data) wie Verkehrsaufkommen, Zählung von Radfahrern und Fußgängern, lokale Wetterinformationen (Windrichtung, Windgeschwindigkeit, Wetterlage) und aktuelle Schadstoffbelastungen. Zu dieser Erfassung sind für alle hochbelasteten Straßenabschnitte (Hotspots) in Würzburg Verkehrsmessstellen in jeweils beiden Fahrtrichtungen erforderlich. 

Der erste innovative, über Solarpanel versorgte Detektor wurde nun in der Grombühlstraße montiert. Die erfassten Daten werden per Mobilfunk an das Zentralsystem übertragen und stehen dort künftig zum Monitoring der Verkehrs- und Luftschadstoffsituation zur Verfügung. Das Monitoring-System zur stadtweiten Überwachung der Luftschadstoff- und Lärmbelastung berechnet auf der Basis von aktuellen oder prognostizierten Verkehrsdaten, Schadstoffmesswerten und Wetterdaten in z.B. halbstündlicher Auflösung Kfz-Emissionen, Hintergrundkonzentrationen und die Immissionen sowie die Lärmbelastung im Straßenraum. Darüber hinaus wird auch die Luftschadstoffbelastung für den folgenden Tag prognostiziert

Verbesserung der Verkehrsqualität

Darüber hinaus werden Straßenabschnitte im Stadtgebiet mit hohen NO2-Emissionen mit einer modernen netzadaptiven Steuerung der durch die WVV betriebenen Lichtsignal-Anlagen ausgestattet. Ziel ist es hier, die Verkehrsqualität insbesondere in den Spitzenzeiten deutlich zu verbessern und damit die NO2-Emissionen des Straßenverkehrs im gesamten Stadtgebiet Würzburg nachhaltig zu reduzieren. Zur Umsetzung der Maßnahmen wurde ein Zielsystem in gemeinsamer Zusammenarbeit von der Stadt Würzburg, der WVV und der Firma Siemens Mobility GmbH entwickelt, welches ein kontinuierliches stadtweites umweltorientiertes Verkehrsmanagement mit begleitenden Informations- und Mobilitätsdiensten für die Öffentlichkeit verbindet.

Modernisierte Verkehrssteuerungssysteme

Die Stadt Würzburg verfügt über ein von der WVV betriebenes Verkehrsrechnersys-tem, an dem die 182 Lichtsignalanlagen (LSA) der Stadt Würzburg angeschlossen sind. Die derzeit eingesetzten Softwaremodule und die Server-Hardware werden im Rahmen des Projektes auf den modernsten Stand gebracht. Die Lichtsignalanlagen in den acht Regelbereichen werden mit einer modernen netzadaptiven Steuerung ausgerüstet. Funktionalitäten bezüglich der Messstationen, der Ansteuerung von dynamischen Schildern, des städtischen Parkleitsystems und der Verkehrslage- und Reisezeitdaten werden integriert. 

Attraktives Informations- und Mobilitätsmanagement 

Ziel des UVM ist, die Luft-Belastungsspitzen zu reduzieren und damit die Jahreswerte für NO2 dauerhaft zu senken. Die Bürger sollen über die eingeleiteten Maßnahmen für den Kfz-Verkehr bereits am Vortag informiert werden:

Per multimodalen Mobilitätsmonitoren werden Kunden, Besucher und Reisende über die in der nahen Umgebung aktuell verfügbaren Mobilitätsangebote informiert. Für die Stadt Würzburg wird, zunächst im Bereich des Hauptbahnhofes, ein Mobili-tätsmonitor installiert. Hier werden zum Beispiel die aktuelle Verkehrslage im Straßenverkehr, aktuelle Baustellen und weitere Störungsmeldungen angezeigt. Die Anzeige der aktuellen Abfahrtszeiten an den umliegenden Haltestellen hilft ÖPNV-Fahrgästen, ihre Weiterreise in die Stadt besser zu planen. Darüber hinaus werden auch Taxistände, Fahrrad- und Autoverleih-Stationen mit Verfügbarkeitsanzeigen integriert.

Bei der geplanten Installation von sechs dynamischen Informationstafeln auf den Hauptzufahrtsstraßen in Richtung Würzburg können an einem durchschnittlichen Werktag rund 90.000 Verkehrsteilnehmer erreicht und mit aktuellen Verkehrsmeldungen versorgt werden. Hier wird bei Vorliegen einer Prognose, die eine Überschreitung der festgelegten Schwellwerte erwarten lässt, eine entsprechende Vorankündigung für den folgenden Tag erfolgen. 

In einer multimodalen Mobilitäts-APP werden alle verfügbaren Daten zu den in Würzburg vorhandenen Mobilitätsoptionen bereitgestellt. Die mobile Anwendung wird darüber hinaus Informationen über die aktuelle Straßenverkehrslage, Verkehrsstörungen, den ÖPNV, Fahrradverkehr, Sharing-Angebote und freie Ladesäulen für Elektrofahrzeuge bieten.  

Auch im Internetportal der Stadt Würzburg werden zukünftig neben bereits bestehenden statischen Verkehrsinformationen auch die dynamischen Verfügbarkeitsinformationen von Mobilitätsangeboten sowie Informationen zum aktuellen Betrieb des umweltorientierten Verkehrsmanagements und zur aktuellen Verkehrslage angezeigt. 

Beim feierlichen Startschuss betonte Baureferent Benjamin Schneider, dass dieser „lang gehegte Traum, die Verkehrsregelung auf ein neues Niveau zu heben, was an neue Hard-und Software gekoppelt ist, durch die Fördermillionen des Bundes erst möglich wurde: „Diese Maßnahme ist ein Herzstück unseres Programms „Sauber Mobil“. Partner bei der Implementierung des durch die Stadt Würzburg beauftragten und durch das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur geförderten UVM ist die Würzburger Versorgungs- und Verkehrs-GmbH und die Firma Siemens Mobility GmbH mit ihren Tochterunternehmen VMZ Berlin Betreibergesellschaft mbH und IVU Umwelt GmbH Freiburg. Die Öffentliche Ausschreibung der Stadt Würzburg im Rahmen der Aktion „Sauber Mobil“, hatte die Firma Siemens Mobility GmbH für sich entscheiden können.

Die WVV betreibt seit Beginn der Verkehrslenkung 182 Lichtsignalanlagen und den Verkehrsrechner im Auftrag der Stadt Würzburg. WVV-Geschäftsführer Thomas Schäfer: „Wir sind sicher, dass wir für das UVM im Rahmen des Projekts „Sauber Mobil“ einen weiteren Beitrag für den Mobilitätswandel leisten können. Doch nicht nur beim UVM setzt die WVV Zeichen für eine saubere Luft. CO2-neutrale Mobilität bieten wir schon heute mit der Straßenbahn, welche mit 100 Prozent Ökostrom fährt und keinerlei CO2 -Emissionen verursacht. Auch die im Green City-Plan fest verankerte Nachrüstung von 26 älteren WVV-Bussen mit hocheffektiven NO2-Filtern ist vollzogen und ebenfalls eine sehr effiziente Maßnahme zur Luftreinhaltung. Zudem sind 34 Fahrzeuge der WVV-Busflotte bereits moderne Busse der Euro 6-Norm. Im kommenden Jahr werden zwei E-Busse ihren Probebetrieb aufnehmen. Und auch mit dem weiteren Ausbau der Ladeinfrastruktur für E-Mobilität, bieten wir für jeden die Möglichkeit, die Verkehrswende in unserer Stadt zu unterstützen.“ 

Die Siemens Mobility GmbH setzt bei diesem Projekt auf Würzburgs Straßen ihre modernste Verkehrsmanagementzentrale Sitraffic Scala/Concert ein, die bereits in anderen Städten Deutschlands erfolgreich ein UVM steuern. Im Rahmen dieses Projektes wird auch der Verkehrsfluss in den äußeren Bereichen der Stadt über ein netzadaptives Steuerungsverfahren verbessert. Ein wesentlicher Bestandteil des Projektes ist die Information der Bürger über die aktuelle Verkehrslage in Würzburg sowie die Schaffung einer Mobilitätsplattform.

Dem Bürger werden über diese Plattform Vorschläge zur Nutzung alternativer Ver-kehrsmittel gegeben (Intermodale Reise-Routenplanung). Über eine Mobilitäts-App werden alle in Würzburg vorhandenen Verkehrsmittel wie Busse, Straßenbahnen, Car- und Bike Sharing angeboten.

Stefan Eckert Leiter Siemens Mobility Süddeutschland: „Wir sind überzeugt, dass wir gemeinsam mit allen im Projekt beteiligten Partnern, durch dieses in Bayern erstmalig eingesetzte System, einen Beitrag zur nachhaltigen Mobilität und zur Reduzierung der Schadstoffbelastung in Würzburg leisten.“


Bild: Startschuss in Straßenlaternenhöhe: Der erste Detektor ist verschraubt und sammelt nun in der Grombühlstraße Verkehrsdaten für das UVM. Oberbürgermeister Christian Schuchardt und Stefan Eckart, Leiter von Siemens Mobility Süddeutschland (von rechts) im Kranwagen. (Foto: Georg Wagenbrenner)

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