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Nur Deutsch im Klassenzimmer?

Würzburg – Lehrkräfte an deutschen Grundschulen haben es täglich mit Mehrsprachigkeit und Migration zu tun. Ob und inwieweit aber die Erstsprachen von nicht-deutschsprachigen Kindern einen Platz im Schulalltag haben sollten, wird von Expertinnen und Experten der Pädagogik und der Sprachwissenschaft noch immer kontrovers diskutiert.

Was aber die Lehrerinnen und Lehrer aus der Grundschulpraxis davon halten, haben nun Dr. Sarah Désirée Lange und Professorin Dr. Sanna Pohlmann-Rother vom Lehrstuhl für Grundschulpädagogik und Grundschuldidaktik der Julius-Maximilians-Universität (JMU) Würzburg untersucht.

Seit 2017 untersuchen die Wissenschaftlerinnen im Rahmen des Forschungsprojekts „Überzeugungen von Grundschullehrkräften zum Umgang mit Mehrsprachigkeit“ (BLUME) empirisch was Lehrkräfte zu dem Thema denken. Der Grund: „Obwohl sich seit Mitte der 1980er Jahre ein Paradigmenwechsel hin zur Anerkennung und Nutzung von Mehrsprachigkeit im sprachdidaktischen und grundschulpädagogischen Diskurs beobachten lässt, dominiert meist weiterhin die alleinige Fokussierung auf Deutsch“, erklärt Lange.

Überzeugungen im Fokus

„Überzeugungen gelten als relevant für das berufliche Handeln von Lehrkräften, ebenso für deren Handlungssteuerung und Handlungsbegründung“, so Lange. In ihrer Untersuchung gehen die beiden Forscherinnen quantitativ und qualitativ an die Fragestellung heran: In einem ersten Schritt untersuchen sie quantitativ die Aussagen von über 120 Grundschullehrkräften. Diese Ergebnisse haben sie nun in der Zeitschrift für Bildungsforschung (Open Access) veröffentlich. Die Tendenz der Aussagen ist dabei eindeutig.

75 Prozent der Befragten stimmten der Aussage mindestens teilweise zu, dass Schülerinnen und Schüler von Zeit zu Zeit Lerninhalte in ihren Erstsprachen besprechen dürfen. Dem Einsatz von nichtdeutschen Lernmaterialien stehen knapp 60 Prozent der Lehrkräfte mindestens positiv gegenüber. „Die Ergebnisse zeigen, dass die Mehrheit der befragten Lehrkräfte davon überzeugt ist, dass Erstsprachen zumindest zeitweise einen Platz in ihrem Unterricht haben sollten“, so Pohlmann-Rother.

Kaum negative Meinungen

„Interessant ist auch die hohe Ablehnung gegenüber der Annahme von negativen Auswirkungen auf das Klassenklima, wenn nicht-deutsche Erstsprachen im Unterricht gesprochen werden“, erklärt Lange. Über die Hälfte der Befragten hat demnach entweder voll und ganz oder überwiegend keine Angst vor dem Kontrollverlust, wenn andere Erstsprachen im Unterricht gesprochen werden. Sie befürworten auch den Einsatz von nicht-deutschen Lernmaterialien als Lernunterstützung für mehrsprachige Kinder im Unterricht.

Das Ergebnis spiegelt laut den Forscherinnen die persönlichen Überzeugungen der befragten Lehrkräfte wider. Doch wie kommen diese zustande? Laut Lange sei zum Beispiel eine Aus- oder Weiterbildung in Deutsch als Zweitsprache ein positiver Punkt zum Einbezug von nicht-deutschen Erstsprachen der Kinder. Zudem seien auch informelle Sprachkontakte der Lehrkräfte, wie etwa nicht-deutsche Alltagskommunikation oder Mediennutzung in einer Fremdsprache, weitere Punkte.

Ressource zur Lernunterstützung

„Die Ergebnisse zeigen, dass sich der in der recht normativ geprägten Diskussion um Mehrsprachigkeit geforderte Paradigmenwechsel – von einem defizitorientierten Blick zu der Wahrnehmung von Mehrsprachigkeit als potenzielle Ressource – teilweise auch in den Überzeugungen der Lehrkräfte widerspiegelt“, so Pohlmann-Rother.

Das Projekt wird am Lehrstuhl Grundschulpädagogik und -didaktik gemeinsam von Lange und Pohlmann-Rother bearbeitet. Weitere Ergebnisse der quantitativen Teilstudie werden gerade für die Publikation vorbereitet. Im nächsten Schritt werden dann die Überzeugungen der Grundschullehrkräfte auch noch qualitativ erhoben, um im sogenannten mixed-method Design zu weiterführenden Ergebnissen zu kommen.


Bild: Eine Mehrheit der befragten Lehrkräfte steht dem zeitweisen Einbezug von anderen Sprachen als Deutsch im Grundschulunterricht positiv gegenüber (Bild: Pixabay.com)

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