Würzburger Nothilfefonds als Vorbild für ganz Bayern? |  wuerzburg24.com

Würzburger Nothilfefonds als Vorbild für ganz Bayern?

Würzburg – „Genau deshalb lohnt es sich, vor Ort mit den Bürgerinnen und Bürgern zu sprechen. Oft haben sie nämlich die besten Ideen“, dankten die beiden SPD-Landtagsabgeordneten Doris Rauscher und Georg Rosenthal dem Leiter der Beratungsstelle für Seniorinnen und Senioren der Stadt Würzburg Volker Stawski.

Stawski hatte den Vorschlag gemacht, den Nothilfefonds für Seniorinnen und Senioren der Stadt Würzburg auch auf Landesebene zu etablieren. Bei der Veranstaltung „Zukunft: Rente muss zum Leben reichen!“ brachte er diesen zum Teil aus Spenden finanzierten Fonds ins Gespräch: “ Damit können Seniorinnen und Senioren, die nicht mehr weiter wissen und die finanziell durch alle Raster fallen, in Notsituationen unterstützt werden. Trotzdem reichen die Mittel oft nicht aus.“

Zu der Veranstaltung hatten der Würzburger Abgeordnete Rosenthal und seine Kollegin Rauscher eingeladen. Die sozial- und familienpolitische Sprecherin der SPD-Landtagsfraktion versprach, die Seniorenvertretungen aus den Kommunen, die Landesseniorenvertretung sowie die Spitzen der Wohlfahrtsverbände in den Landtag einzuladen, um gemeinsam mit der SPD-Fraktion nach Unterstützungsmöglichkeiten auf Landesebene zu suchen. Dennoch müsse die Politik laut Rosenthal schnellstmöglich Lösungen finden, „Rentnerinnen und Rentnern ein Leben zu ermöglichen, bei dem sie nicht von Nothilfefonds abhängig sind“.

Zweistündige Diskussion über prekäre Situation

Dem Austausch über den Würzburger Nothilfefonds ging eine gut zweistündige Diskussion über die prekäre Situation von Rentnerinnen und Rentnern heute und über Lösungsansätze zur Sicherung der Renten und zur Bekämpfung der Altersarmut in Zukunft voraus. Von der Regierung forderte der frühere Oberbürgermeister Würzburgs in seiner Pressemitteilung, endlich zu gestalten und nicht nur zu reagieren: „Auch wenn das Thema „Rente“ nicht sehr populär klingt, müssen wir uns dem trotzdem stellen. Es betrifft uns alle!“

Schon heute ist abzusehen, dass die Rente in Zukunft ohne Reformen und höhere Staatszuschüsse nicht reichen wird. Die Situation ist besorgniserregend, findet Rosenthal: „Sind es heute noch drei Beitragszahler, die für einen Rentner aufkommen, so werden es schon 2034 nur noch zwei sein. Deshalb muss heute sichergestellt werden, dass auch in Zukunft gilt: Wer viele Jahre hart gearbeitet hat, muss später auch eine faire Rente bekommen“. Besonders eine durchgängige Erwerbsbiographie ohne Brüche sei dabei entscheidend.

Lob für Reformvorschläge der Bundesarbeitsministerin

Ausdrücklich lobte Rosenthal in dem Zusammenhang die Reformvorschläge von Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles, die von den Koalitionspartnern im Bund nur zum Teil mitgetragen wurden. Dort habe die Union laut Rosenthal „einen großen Schritt in Richtung Rentenabsicherung verpasst“. Auf eine weitere Gruppe, die besonders häufig von Altersarmut betroffen ist, machte Doris Rauscher aufmerksam: Frauen, die ihrer Familie zuliebe ihre eigene Erwerbstätigkeit zurückstellen. „Wir müssen Rente komplett neu denken. Und das fängt bei den Kitas an: Frauen müssen die Möglichkeit haben, Vollzeit zu arbeiten, auch wenn sie Kinder haben. Denn Brüche in der Erwerbsbiographie sind Gift für spätere Rentenansprüche. Deshalb bedarf es der Möglichkeit einer Ganztagsbetreuung für Kinder in ganz Bayern – von der Kita bis zur Universität.“


Bild: Doris Rauscher und Georg Rosenthal bei der Podiumsdiskussion „Zukunft: Rente muss zum Leben reichen!“, (Foto: Büro Rosenthal)

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