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Von Grippe, Pest und Corona

Würzburg – Egal, ob Pest oder Influenza, Corona oder Cholera oder eine so ominöse Krankheit wie der „englische Schweiß“: Seuchen und Epidemien hat es in der Geschichte der Menschheit immer wieder gegeben. Dementsprechend ist Seuchengeschichte ein wichtiger Themenbereich der Medizingeschichte.

Das sagt Professor Michael Stolberg, Leiter des Instituts für Geschichte der Medizin der Julius-Maximilians-Universität Würzburg (JMU), in einem Podcast, der seit Kurzem auf den Internetseiten der Bayerischen Akademie der Wissenschaften (BAdW) zu hören ist.

Dort erfahren die Zuhörerinnen und Zuhörer auch, dass sich die Begleiterscheinung solcher Pandemien in Mittelalter und Neuzeit in vielen Aspekten ähneln. Ausgangsbeschränkungen? Die konnten während der Pest im Mittelalter so drastische Formen annehmen, dass ganze Häuser mit Brettern vernagelt und ihre Bewohner rigoros eingesperrt wurden. Social Distancing? Haben Priester damals praktiziert, wenn sie den Erkrankten die Hostie am Ende eines langen Stocks reichten.

Verschwörungstheorien einst und heute

Sogar Verschwörungstheorien und „Fake News“ sind keine Erscheinung der Moderne. Während heute ein virologisches Labor in Wuhan plötzlich in den Fokus US-amerikanischer Geheimdienste gerät, schob man im Mittelalter häufig den Juden die Schuld in die Schuhe, was nicht selten zu grausamen Pogromen führte.

Wer mehr über die Parallelen, aber natürlich auch über die Unterschiede zwischen der jetzigen Corona-Pandemie und früheren Seuchen wissen will; wer erfahren möchte, welche Schlüsse Medizinhistoriker aus dem Umgang mit den Seuchen über die Gesellschaften dieser Epochen ziehen können, der erhält in dem Podcast Antworten.

Zur Person

Michael Stolberg hat den Lehrstuhl für Geschichte der Medizin an der Universität Würzburg inne und ist Projektleiter des BAdW-Projekts „Frühneuzeitliche Ärztebriefe des deutschsprachigen Raums“. Seine Forschungsschwerpunkte sind frühmoderne ärztliche Medizin (ca. 1500-1850), Patienten- und Körpergeschichte und die Geschichte der medizinischen Ethik.

Aktuell ist er damit beschäftigt, ein Buchprojekt zu beenden. Stolberg wertet darin den rund 5.000 Seiten starken handschriftlichen Nachlass eines Arztes aus, der im 16. Jahrhundert in Böhmen tätig war. Dessen Alltagsschilderungen seien ein herausragendes Zeugnis der medizinischen Welt der Renaissance, so der Medizinhistoriker.


Bild: Kupferstich eines Pestdoktors von Paul Fürst, Der Doctor Schnabel von Rom, ca. 1656. (Foto: Wikimedia Commons)

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