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Bayerischer Jugendfußball lebt Integration vor

Drei Viertel aller Jugendfußballvereine in Bayern sehen die Integration von Flüchtlingen als ihre besondere Aufgabe an und sind in diesem Bereich engagiert. Gleichzeitig fühlen sie sich häufig auf sich alleine gestellt und immerhin 17 Prozent sind der Ansicht, dass es zu viele Flüchtlinge in Deutschland gibt. Das ergab eine repräsentative Umfrage der Universität Würzburg bei Fußballclubs in Bayern.

Bereits seit 2011 befragt der Lehrstuhl Empirische Bildungsforschung der Universität Würzburg in Kooperation mit dem Bayerischen Fußball-Verband Vereine mit Abteilungen für Jugendfußball zu ihrer aktuellen Situation. Es ist damit die größte Studie dieser Art in ganz Deutschland. Bei der dritten Befragungswelle aus dem Jahr 2015 stand die Frage nach der Integrationsarbeit durch den Jugendfußball im Mittelpunkt. „Wir haben hier auf die gesellschaftliche Entwicklung sehr schnell reagiert und die Integrationsleistung der Vereine angesichts der neuen Zuwanderung erfasst“, so Professor Heinz Reinders, Inhaber des Lehrstuhls und Leiter der Studie. „Die Vereine leisten dabei einen ganz wichtigen Beitrag zur Integration von Kindern und Jugendlichen mit Fluchterfahrung“, resümiert der Forscher die Ergebnisse.

Flüchtlinge sind in den Vereinen willkommen

Drei Viertel der Vereine sehen es als ihre Pflicht an, Kindern und Jugendlichen mit Fluchterfahrung zu helfen. Immerhin 58,9 Prozent der Vereine berichten, dass Flüchtlinge auch tatsächlich aktiv in das Vereinsleben eingebunden sind. Das liegt auch an den Wertvorstellungen in den Vereinen. Bei neun von zehn Vereinen werden Flüchtlinge allgemein willkommen geheißen, der gleiche Prozentsatz gibt an, dass diese Art von Hilfe ein Teil der Vereinsphilosophie sei.

„Damit sind die Vereine ein zentraler Baustein für die Gesellschaft und sollten in ihrer Arbeit viel besser unterstützt werden“, glaubt Reinders. Denn auf die Frage nach der Unterstützung durch den Verband oder die Kommune fühlen sich viele Vereine im Stich gelassen. Mit 28,3 Prozent sind kaum mehr als ein Viertel der insgesamt 1.300 befragten Vereinsvertreter mit der Unterstützung durch ihre Kommunen zufrieden oder sehr zufrieden, ähnlich gering sind die Werte für die Hilfe durch den Bayerischen Fußball-Verband, der auf 27,8 Prozent Zustimmung kommt. Bei der Unterstützung durch den Deutschen Fußball-Bund sinkt dieser Anteil zufriedener Vereine nochmals deutlich auf lediglich 21,6 Prozent.

Konkrete Hilfe ist erforderlich

Stattdessen sind die Vereine aus eigener Sicht auf sich allein gestellt. Immerhin 77,7 Prozent sind mit der Hilfe durch Vereinsmitglieder zufrieden, 60,5 Prozent erleben tatkräftige Unterstützung durch das unmittelbare Umfeld der Vereine, etwa durch Sponsoren oder Zeitspender. „Dieses Gefühl, alles alleine stemmen zu müssen, ist auf Dauer kein guter Zustand“, äußert sich Reinders besorgt und führt Zahlen an, die Grund zur Beunruhigung seien. Immerhin 17 Prozent aller Vereine stimmen der Aussage zu, dass es zu viele Flüchtlinge in Deutschland gebe. Jeder dritte Verein gibt an, helfen zu wollen, aber nicht jedem Flüchtling, der nach Deutschland komme. „Es ist nicht damit getan, in teuren Kampagnen für Respekt oder gegen Rassismus zu werben. Die Vereine müssen konkrete Hilfe bei der täglichen Arbeit spüren. Dazu gehört eben auch Know-how vor Ort zu vermitteln und Geld, dass die Kommunen und die Sportverbände in die Hand nehmen müssen“, ist sich der Würzburger Bildungsforscher sicher.

Mädchenfußball fördert die Integration

Ein überraschender Befund sei zudem gewesen, dass die Integrationsleistung in Vereinen mit Mädchenfußball deutlich positiver erlebt werde als in anderen Fußballclubs. Das soziale Miteinander zwischen den Kulturen und die erlebte Integration würden eine größere Rolle im Alltagsleben spielen, wenn ein Verein eine mitgliederstarke Mädchenabteilung hat. „Da ist es doppelt bedauerlich, dass der Mädchenfußball seit 2011 in Bayern stark rückläufig ist“, so Reinders. „Wir verlieren nicht nur ein zentrales Standbein moderner Fußballvereine sondern auch eine gesellschaftliche Integrationskraft“. Hier müsse also aus mehreren Gründen rasch gegengesteuert werden.


Bild: Professor Heinz Reinders, Leiter des Lehrstuhls Empirische Bildungsforschung.

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