Zehn Jahre „Jüdisches Museum Shalom Europa“ |  wuerzburg24.com

Zehn Jahre „Jüdisches Museum Shalom Europa“

Würzburg – Das „Jüdische Museum Shalom Europa“ feiert in diesem Jahr sein zehnjähriges Bestehen. „Das Museum ist keine primäre Erinnerung an das Dritte Reich. Es ist eine konzentrierte Darstellung der jüdischen Religion, wie sie in der Gemeinde der Würzburger Juden derzeit unter dem Stichwort ‚liberale Orthodoxie‘ praktiziert wird“, sagte Professor em. Dr. Dr. Karlheinz Müller, wissenschaftlicher Leiter des Museums, bei einer Presseführung in dieser Woche.

Auf zwei Etagen präsentiert das Museum die wesentlichen Aspekte des traditionellen jüdischen Lebens. Stationen zu Themen wie „Geburt“, „Beschneidung“, „Namensgebung“, „Hochzeit und Sterben“ sowie „Tod und Trauer“ erklären beispielsweise die Besonderheiten des jüdischen Betens und jüdischer Gebetbücher, die Ämter der Gemeinde sowie die Grundregeln für Essen und Trinken. Ziel dieser Darstellungen ist es laut Müller, eine verständige Orthodoxie zu wagen und die kulturelle Kohärenz in einer mehrheitlich christlichen Stadt auch als jüdische Chance zu begreifen. Das „augenlose und abstrakte Judentum“ gebe es nicht. „Das Museum ist integraler Bestandteil der alltäglichen jüdischen Gemeindearbeit – wirksam, offen, liberal.“ Deswegen begreife man das Museum als Lernort für alle und jeden.

„Im Tod sind alle gleich.“

Müller betonte die liberale Ausrichtung der jüdischen Gemeinde. „In Israel gibt es Siedlungen von Orthodoxen, die alles nach ihrer Tradition ausrichten.“ Die jüdische Gemeinde in Würzburg unterscheide sich in wesentlichen Punkten von dieser Art der Ausübung jüdischer Traditionen. Laut Müller habe man beispielsweise den Grundsatz durchgesetzt: „Im Tod sind alle gleich.“ So gebe es beispielsweise keine Särge mehr mit aufwendigen Verzierungen, die Särge seien alle einheitlich gestaltet. „Diese Ausübung ist besser als eine Orthodoxie, die nicht in diese Gegend passt“, sagte Müller.

Besonderes Museum

Diese liberale Ausübung spiegele sich auch in einer Besonderheit des Museums wider. Ab Januar 1987 wurden im Würzburger Stadtteil Pleich 1513 jüdische Grabsteine und Grabsteinfragmente aus den Jahren 1148 bis 1346 geborgen. Es sei laut Müller die größte Hinterlassenschaft eines mittelalterlichen Judenfriedhofs weltweit. „Mit ihren Inschriften legen die Grabsteine ebenso Zeugnis ab für die Grundwerte der derzeitigen jüdischen Gemeinde in Würzburg“, betonte Müller. 18 Grabsteine sind im Museum zu sehen, der Rest sei in einem Depot aufbewahrt, auf dem das Gebäude programmatisch ruhe.

Besucherzahlen steigen stetig

Seit seiner Eröffnung im Jahr 2006 sind die jährlichen Besucherzahlen stetig gewachsen. Von Januar bis Oktober 2016 hatte das Museum Shalom zirka 6500 Besucher. Rund 45 Prozent der Besucher sind Schulklassen von Gymnasien. „Die Reduzierung auf das Wesentliche in der Darstellung wird von den meisten Besuchern sehr begrüßt. Dadurch entstehen Gespräche“, sagte Annette Taigel, ehrenamtliche Führerin im Museum Shalom. Insbesondere die Zahl der ausländischen Besucher sei in den vergangenen Jahren gewachsen. Das Museum habe viele muslimische Besucher, auch amerikanische Juden kämen zahlreich. Taigel ist eine von 157 ehrenamtlichen Führern im Museum. Rund zehn Prozent der Ehrenamtlichen sind Juden. Sie agierten laut Müller mit dem Ziel, die Neugierde an der jüdischen Religion nicht erlöschen zu lassen.

Zehn Jahre „Jüdisches Museum Shalom Europa“

Am Montag, 21. November, um 19 Uhr begeht das „Jüdische Museum Shalom Europa“ sein zehnjähriges Jubiläum mit einer Feierstunde im David-Schuster-Saal des Museums. Während des Abends wird auf die vergangenen zehn Jahre zurückgeblickt und mit Musikeinlagen unterhalten.

Das Museum hat montags bis donnerstags ab 10 Uhr geöffnet, sonntags ab 11 Uhr. Der Eintrittspreis beträgt drei Euro, ermäßigt zwei Euro. Weitere Informationen bei: Jüdisches Museum Shalom Europa, Valentin-Becker-Straße 11, 97072 Würzburg, Telefon 0931/4041441, Internet www.museumshalomeuropa.de, E-Mail museum.shalomeuropa@gmx.de.


Bild: Die Schlichtheit der Museumsräume empfinden zahlreiche Besucher als Bereicherung. (Foto: Bernadette Weimer / POW)

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