Würzburger Hafensommer 2018 |  wuerzburg24.com

Würzburger Hafensommer 2018

Würzburger Hafensommer 2018
Würzburger Hafensommer 2018

Das Publikum darf sich auch beim Würzburger Hafensommer 2018 auf fantastische Musikerinnen und Musiker freuen. Lebendige Musik, verblüffende Sounds und eine top Location: Das Musikfestival am Alten Hafen.

Tickets für den Würzburger Hafensommer 2018 kaufen

Hafensommer in Würzburg
Hafensommer in Würzburg

Eintrittskarten gibt es an der Abendkasse und im Vorverkauf. Die Tickets sind über die bekannten VVK-Stellen und Portale erhältlich. Online erhält man die Tickets bei AdTicket. Auch die Festival Card 50 und die Dauerkarte.

Weitere Informationen auf www.hafensommer-wuerzburg.de.

Würzburger Hafensommer 2018 – Programm

20.07. - Sparda-Bank Classic Night

Philharmonisches Orchester meets Special Guest. Musikalische Leitung: Marie Jacquot.

Die Eintrittskarten werden ab 18. Juni verlost.

21.07. / 20 Uhr / Themenabend »Sixteen Strings«

Kinga Glyk – Jazzsensation aus Polen

Erst 20 Jahre jung und schon die einzige Frontfrau einer Jazzband in ihrer polnischen Heimat. Die Kattowitzerin gilt bereits heute als Virtuosin am Bass und sorgt mit ihrer Musik zwischen Jazz, Blues und Funk für Aufmerksamkeit. Kinga Glyk ist in Polen inzwischen ein Star und wird mit Sicherheit auch europäische Club- und Festivalbühnen erobern. Es ist einfach genial, was sie an ihrem Instrument kann: Worte reichen nicht aus, um diesen einzigartigen, gleichzeitig gefühl- und powervollen Sound zu beschreiben. Und so ist es nur folgerichtig, dass Kinga als die derzeit größte Jazz-Sensation auf allen sozialen Netzwerken europaweit gepriesen wird.

Im Grunde begann ihre Karriere mit 12 Jahren, als ihr Vater, selbst Musiker, ihr Talent entdeckte. Bald spielte Kinga in der Familiencombo »Glyk P.I.K. Trio«, zusammen mit dem Vater am Vibraphon und ihrem trommelnden Bruder. Seitdem geht es mit Kinga Glyks Karriere unaufhaltsam voran. Ihre Spielerfahrung ist inzwischen, dank hunderten von Konzerten, enorm und ihre dritte Platte »Dream« (bei Warner Music) veröffentlicht.

Auf der Playlist von »Dream« (übrigens die »CD des Monats« im Nov. 2017 – bei U 21 auf BR Klassik) stehen überwiegend ihre eigenen Kompositionen, darüber hinaus eine Duo-Version von Glyks Viral-Hit »Tears In Heaven«. Außerdem »Teen Town«, eine Hommage an Kingas großes Idol, die E-Bass Legende Jaco Pastorius (1951–1987). Kinga geht es viel um Groove, um Spaß, und auch darum, über die Musik ein persönliches Verhältnis zu den Hörern aufzubauen:

»Musik ist für mich mehr als nur ein Klang. Ich versuche, mit den Menschen ganz andere Sachen zu teilen, als nur das Spielen von langsamen und schnellen Noten. Denn ich will Songs schreiben, die etwas mitteilen. Musik ist für mich eine große Reise. Ich mache das, was ich liebe, und es ist wunderbar! Meine Träume erfüllen sich schneller, als ich es jemals erhofft hatte!« Nicht zuletzt durch die Tatsache, dass sie ihre Träume mit einer immer größer werdenden Fangemeinde teilen kann.

Opal Ocean – wilde Kerle

Opal Ocean sind der Franzose Alex Champ und der Neuseeländer Nadav Tabak. Das Gitarren-Duo startete seine gemeinsame Arbeit 2013 in Melbourne (AUS). Die beiden Jungs stehen für energiegeladenen Sound und einen Paradigmenwechsel an der Akustikgitarre. Dafür schleifen sie hemmungslos die Barrieren zwischen musikalischen Stilrichtungen, fusionieren Indie, Dance, Metal und Rock mit progressivem Pop. Der Rhythmus und die Art wie sie spielen, ist von Techniken aus dem Flamenco inspiriert. Auf diese Weise erschaffen sie ihren ganz eigenen dynamischen Soundkosmos.

Bevor sich die beiden persönlich kannten, spielte jeder für sich als Straßenmusiker. Immer mal wieder hörten sie von unterschiedlichen Leuten, dass sie wohl da oder dort gespielt hätten, obwohl sie zu dieser Zeit ganz woanders waren. Und so dachte jeder, dass der jeweils andere seinen Stil klaut. Bis sie sich von gemeinsamen Bekannten zu einem Treffen überreden ließen und zusammen jammten; der Rest ist Geschichte.

Obwohl sie immer noch gerne Straßenmusik machen, sind sie am liebsten auf Tournee, lieben es, auf Festivals zu spielen und große Zuschauermengen zu unterhalten. Ihr Ziel ist es, visuelle Live-Shows zu gestalten, die perfekt mit ihrer Musik harmonieren; und darauf arbeiten sie gerade hin. Opal Ocean sind das erste Mal in Würzburg und erstmals in Europa auf Tournee. Das ist etwas, dass man sich nicht entgehen lassen sollte.

22.07. / 17.30 Uhr / Hafentour

Entdecke das Kulturquartier am Alten Hafen

Auf der Entdeckertour präsentiert sich das Kulturquartier Alter Hafen wieder mit allen seinen Kultur­orten. Start ist um 17:30 Uhr im Museum im Kulturspeicher mit Passion4Saxxes aus Schweinfurt (Jugend-musiziert-Preisträger_innen Hessen 2014). Dann geht es weiter auf der Hafentour, mit Latin-Musik, Tanz mit dem Kollektiv »Anderer Tanz«, Kunst und Kabarett mit Mäc Härder und und und.

Die Formation Puente Latino (gegründet auf der Alten Mainbrücke) bringt ab 20:30 Uhr Karibik-Flair auf die Hafenbühne. Mit guter Laune lässt sich danach entweder in der MS Zufriedenheit oder auf dem Boot (dort legt ein Latin-DJ auf) weiterfeiern.

23.07. / 20.30 Uhr / Oli Schulz

Impro als Programm

Olli Schulz‘ Kick Off war 2003: Damals startete er zusammen mit Max Schröder das Indie-Rock-Projekt »Olli Schulz & der Hund Marie«. Das Duo produzierte gemeinsam drei Alben – u. a. mit dem schönen Titel »Brichst Du mir das Herz, dann brech’ ich Dir die Beine« – und brachte die Fans skurrilen musikalischen Klimbims zum Schwärmen und aus dem Häuschen.

Als sich Max Schröder immer mehr zum festen Schlagzeuger bei Tomte wichtelte, begab sich Schulz auf Solo-Pfade und beeindruckte das Publikum mit seinem Talent als Unterhalter. Sein Song »Mach’ den Bibo« (2009), mit dem er den 5. Platz bei der Vorauswahl zum Bundesvision Song Contest belegte, brachte Olli erstmals einen Eintrag in die deutschen Single-Charts. Es folgten zwei weitere Alben sowie die DVD »SOS – Showman Olli Schulz«, die seinem grandiosem Talent für Entertainment auch visuell gerecht wurde.

Der Meister der Spontaneität liefert nicht einfach nur Konzerte ab, sondern kreiert wahre Improvisations-Shows, die mit satirischen Stand-Up-Storys und bunten Halbwahrheiten aus dem Leben gespickt sind. Film, Funk, Fernsehen, Internet: Olli Schulz ist überall präsent. Mal in der Rolle als Sidekick (Joko & Klaas), mal als Talker bei »Schulz & Böhmermann, mit dem er sich zusammen in der Satire-Sendung »Sanft & Sorgfältig« auf Radioeins bis 2016 jeden Sonntag tagesaktuellen Themen widmete. Inzwischen haben die beiden einen eigenen Podcast auf Spotify – »Fest & Flauschig«. Auf seinem neuen Album »Scheiß Leben, gut erzählt« fabuliert er musikalische Geschichten und Anekdoten, zeigt charmantes großes Entertainment und tischt die die ein oder andere Überraschung auf.

»Mit ‘Scheiß Leben, gut erzählt’ erreicht Olli Schulz nun die Apotheose seines Liedermachertums. Nie lagen Götterdämmerung und Erleuchtung so überraschend nah beieinander, nie verzahnten sich herzzerreißende und sphärisch-fröhliche Kabinettstückchen so geschmeidig wie auf dieser Langrille. Das Format des Albums, von Schulz selbst mitunter angezweifelt und in dunklen Stunden totgesagt, erlangt nun unter des Meisters Hand eine unerwartete neue Blüte. He did it again!« (Julian Burmeister)

24.07. / 09.00 - 22.30 / Junger Hafen by Sparda

Ab 19:30 Open Stage

Der Junge Hafen by Sparda ist ein Tag auf dem Hafensommer, den junge Menschen mitgestalten: Ab 9 Uhr haben Würzburger Schüler_innen die Möglichkeit, in künstlerischen Workshops, beim Tanzen, Malen, Musizieren oder Sprayen mitzumachen.

Ab 19:30 ist Open Stage: die Hafensommerbühne wird zur Plattform für Junge Gruppen. Talent, Enthusiasmus, gesellschaftliches Engagement und musikalisches Können sind die Garanten für eine mitreißende Show. Moderation: Johannes Keppner, alias Keppi

Der Tag ist eine Kooperation mit den Würzburger Schulen ohne Rassismus – Schulen mit Courage und dem Projekt pics4peace.

25.07. / 20.30 Uhr / Les Yeux D'La Tête

Der »Sixpack« aus Paris

12 Jahre tummelt sich die Gruppe Les Yeux D’La Tête inzwischen auf dem Musikmarkt! Und seit zwölf Jahren begeistern die Musiker aus Paris ihr Publikum mit Akkordeon, Gitarre, Bass, Saxophon, Schlagzeug/Perkussion und einer energetischen Bühnenshow. Zu diesem Anlass gibt es Neuauflagen ihrer beiden ersten Alben und eine temperamentvolle Revivaltour. Ihr Repertoire: Chansons, Swing, Folk und Balkanbeats gepaart mit Spielwitz, Ausgelassenheit und Enthusiasmus.

LYDT nehmen einen mit auf eine ganz besondere musikalische Reise: sie schleppen uns in die Spelunken von Paris, in die ganz spezielle Atmosphäre der Metrostationen, aber auch an die Ufer der Seine oder auf eine Hochzeit in Osteuropa. Ob Sinti-Swing, französischer Chanson, poetischer Punk oder Jazz: Les Yeux D’La Tête bedienen sich ohne Ressentiments verschiedenster musikalischer Einflüsse. Sie erzählen eindrucksvoll und sensibel von den Themen des Alltags – von Liebe, Freude und Spaß am Feiern und über die ganzen Verrückten da draußen, die uns tagtäglich begegnen und uns auch oft aus dem Spiegel entgegenblicken.

Mal himmelhoch-jauchzend auf dem Tresen einer Bar tanzend (oder gleich auf den Dächern), mal betrübt am Seine-Ufer sitzend, erzeugen sie eine mitreißende farbenfrohe Atmosphäre, die unvergessliche Konzerte erleben lässt. La vie est belle!

26.07. / 20.30 Uhr / Fiva x JRBB

Nina Sonnenberg, wie Fiva im bürgerlichen Leben heißt, ist eine Münchner Spoken-Word-Artistin und hat sich bereits einige Auszeichnungen verdient. Zudem ist sie als Moderatorin für Radio und Fernsehen, unter anderem für ZDFkultur oder 3sat bekannt; ihre größte Passion jedoch ist die Musik, mit der sie inzwischen schon seit Anfang der 2000er-Jahre unterwegs ist.

Die Themen ihrer Songs sind Freundschaft, Gefühle, Politik und das Leben als solches. Es sind kreative, phantasievolle Textschöpfungen, die »Fiva« vor einem fulminant-klangvollen Musikbackground performt. Zusammen mit ihrem Orchester, der »Jazzrausch Bigband« (JRBB) bringt »Fiva« frischen Wind in die Musikszene. Es scheint gleichsam so, als ob der Münchner Föhn alles wegbläst, was nicht groovig, leicht & locker, cool und gleichzeitig sensibel daherkommt.

Die schier unendlichen Klangfacetten der JRBB – mal im innig warmen Klang eines Streichquartetts, mal im hymnischen Mood der Bläser, mal im fetten Groove von Schlagzeug und Bass, sind eine wundervolle muskalische Grundlage für »Fivas« vielschichtige poetische Texte, die sie in einem beeindruckenden Sprachrhythmus präsentiert. Wenn sie ihr »SpokenWord«-Programm rappt, ist das Dichtung, Lyrik, Poesie und ein Amalgam von musikalischer Leichtigkeit und wortgewandtem Scharfsinn. Und weil nicht nur die Texte, sondern auch die Musik besonders sind, ist ein beglückendes Konzerterlebnis garantiert.

27.07. / 20.00 Uhr / Doppelkonzert: Flavia Coelho + Natalia Doco

Flavia Coelho

Samba, Bossa, Reggae-Rhythmen, afrikanische Klänge und elektronische Keyboard-Sounds erzeugen die heiße Mischung, die Flavia Coelho mit Energie, wilder Lebenslust und einer beeindruckenden Bühnenshow präsentiert. Lässige Grooves mit rollenden Bass-Sounds treffen auf berührende Melodien, expressive Soundgemälde kontrastieren wunderbar mit virtuosen, folk-orientierten Soli an der akustischen Gitarre.

Flavia Coelho ist eine faszinierende Persönlichkeit mit einer nicht weniger wundervollen Stimme, die mit allen Nuancen spielt. Ein weites Klangspektrum, das tief und schwermütig, leidvoll und sehnsüchtig, betörend und verführerisch, aber auch weich, federleicht, locker und verspielt tönt. Zusammen mit Flavias portugiesischem Timbre schafft es diese Stimme, tiefe Gefühle und Gänsehaut zu erzeugen. Daneben enthalten ihre Texte den komplexen Gefühlszustand von Saudade. Saudade – ein spezieller Begriff aus dem Portugiesischen, der sich mit »Traurigkeit«, »Wehmut«, »Sehnsucht«, »Fernweh« oder »sanfte Melancholie« nur annäherungsweise übersetzen lässt. Das Wort steht für das nostalgische Gefühl, etwas Geliebtes unwiederbringlich verloren zu haben und so die Sehnsucht nach dem Verlorenen niemals stillen zu können. Wirklich nachempfinden und in sich spüren kann man Saudade wohl nur, wenn die Muttersprache portugiesisch ist.

Die Brasilianerin hatte es in ihrem Leben nie wirklich leicht: Aufgewachsen in einem der gefährlichsten Bezirke Rio De Janeiros, lebte sie in besetzten Häusern, oft auch auf der Straße und zog durch ganz Brasilien, um sich als Sängerin zu etablieren. 2006 verließ sie Rio, um in Paris, der Stadt ihrer Träume, neu anzufangen. Das war die Zeit, als sie in Metro-Stationen sang, in den Bars und Kabaretts Chapeau spielte, Kinder betreute, sich als Putzfrau verdingte und Hunde Gassi führte. Flavia war schon immer mit Musik aufgewachsen und spürte frü̈h, dass ihr ganzes Wesen in Verbindung mit Musik irgendwie magisch wirkt und so arbeitete sie hart, um sich ihren Traum als Künstlerin zu erfüllen.

Auf ihrem neuen Album »Sonho Real« (Lebendiger Traum) spielt Flavia mit Einflüssen von Forro und Ragga, mit rasenden Ska-Rhythmen und lässigem Dub. Bläser, Gitarren, Keyboards, Percussion, Schlagzeug, Bass und Akkordeon wurden von ihrem Produzenten Victor Vagh genial arrangiert – der optimale Soundteppich für Flavia Coelhos Stimme. Weder traurig noch glücklich – das ist Flavias Ansatz; zu subtil, um als leicht eingestuft zu werden. Und wenn die Welt ihr nicht mehr genügt, erfindet sie eine neue. In ihrem Song Temontou /You Are My Everything singt Flavia: »The air I breathe is sweeter when you’re in it«. Und auch die Luft, die wir atmen, wird süßer, wenn Flavia uns mit ihrer lebensfrohen Musik in ihre Träume entführt.

Natalia Doco

Seit einigen Jahren schon lebt die argentinische Sängerin Natalia Doco in Frankreich, wo sie mit also Solosängerin unterwegs ist und mit selbstgefilmten Coverversionen (z. B. von The Police oder Amy Winehouse) Millionen von Youtube-Klicks gesammelt hat. Ihr Debüt-Album nahm sie mit Jacques Ehrhart auf, dem Produzenten der erfolgreichen Sängerin Camille.

Doch Natalia war noch nicht zufrieden, suchte nach einer eigenen Handschrift und einem individuelleren Sound. Nun hat sie mit Argentiniens erfolgreichem Indieproduzenten Axel Krygier endlich den idealen Produktionspartner für ihre ganz eigene Musik gefunden und mit ihm ein geniales Album produziert. »Mein erstes Album bestand nur zur Hälfte aus meinen Ideen. Der Rest waren Zugeständnisse an meinen damaligen Produzenten. Mein neues Album hingegen spiegelt meine ganze Persönlichkeit wider: von der künstlerischen Vision über die Aussagen der Texte bis hin zum Albumcover.«

Auf diesem Cover sitzt Natalia Doco im Schneidersitz vor einer psychedelisch wirkenden Wüstenlandschaft, hat die Augen geschlossen und trägt eine Art Traumfänger um den Hals. »Das Titelstück bezieht sich auf ein Ritual, das ich eines Nachts vollzog. Ich durchlief gerade eine schwierige Phase, war von meinem damaligen künstlerischen Weg enttäuscht. Also schrieb ich all meine negativen Gedanken auf ein Blatt Papier, verbrannte es und übergab die Asche zur Hälfte dem Wind, zur Hälfte dem Wasser. Danach kam mir sofort dieses Stück in den Sinn! Deshalb heißt der Song ‚El Buen Gualicho‘, der gute Zauber, denn er entstand auf geradezu magische Weise.«

Auch wenn Doco seit einigen Jahren in Frankreich lebt, so ist sie doch tief verwurzelt in der lateinamerikanischen Musikkultur. Sie wollte, dass ihr Album nach dem antiken Lateinamerika der Inkas klingt, nach kubanischem ‚Son‘, langsam und sexy, und auch nach französischem Chanson. Mit »El Buen Gualicho« habe sie sich auf die Suche nach ihrem musikalischen Erbe machen wollen, sagt sie. Und so verbindet Natalia Paris mit Buenos Aires, Cobla und Cumbia mit Chanson und Indiepop. Auf französisch und spanisch fusioniert sie uralte Rhythmen und Rituale der Inkas mit eingängigen Melodien und hypnotischen Arrangements und schafft ihren ganz eigenen Latinfolk, Latinblues, Latinchanson und Latinpop.

Gelungen ist ihr ein gleichzeitig modernes und spirituelles Weltmusik-Album, das durch die ungewöhnlichen Arrangements eine psychedelisch-jazzige Note erhält. Und da sie nicht nur einen großartigen Produzenten, sondern auch die perfekten Musiker gefunden hat, präsentiert sie ihre Songs 2018 in sehr feiner Besetzung live in Europa und so auch beim Hafensommer in Würzburg.

28.07. / 20 Uhr / Andreas Kümmert

Nobodys‘ Fool

Kümmerts Wurzeln liegen im Blues und Rock ’n’ Roll der 1960er- und 1970er-Jahre. Quelle seiner musikalischen Entwicklung war die Plattensammlung seines Vaters, der selbst als Trompeter aktiv ist. Mit neun Jahren lernte Andreas Schlagzeug und mit 13 Jahren Gitarre. Als er den entscheidenden Schritt für seine Karriere tat, hatte er schon einen längeren musikalischen Weg hinter sich (Schülerband, eigene Gruppe, Gigs in der näheren und weiteren Region und deutschlandweit): 2013 meldete er sich für die Casting Show »Voice Of Germany«. Und er kam, sah und siegte.

Seine brachiale Authentizität hat nicht zufällig Millionen elektrisiert. Die Menschen schätzen seine ehrliche, direkte, gradlinige und durchaus oft sperrige Art. Da passt es auch, dass er seine Songs in der Regel selbst schreibt. Auf seinem Album »Recovery Case« kann man Kümmert ganz ursprünglich und ohne Filter erleben. Er wirkt wie befreit aus tiefster Seele, ist rückhaltlos wahrhaftig und zeigt dabei gleichzeitig Kraft und Coolness, entspannte Lockerheit und konzentrierte Professionalität.

Das Album ist für ihn wie eine Schatulle, in der sich die Dinge fürs Seelenheil aufbewahren lassen. Für sein »Recovery Case« hat er sich Zeit genommen. Die Zeit, die es halt braucht, um sich bis ins Detail einzubringen. Für Songs mit Ecken und Kanten, die gleichsam ein Spiegelbild seiner Persönlichkeit sind. Da nutzt er die komplette emotionale Palette – von großer Wucht bis zum sensiblen Zwischenton. Auch beim Hafensommer 2018 bringt es richtig Spaß zuzuhören, wenn Kümmert seine unglaubliche stimmliche Variationsbreite abruft, ganz unverkrampft, cool und gechillt. Er kann sich blind auf sein Organ verlassen; diese Stimme könnte auch kreative Leerräume überbrücken. Umso schöner, dass sie das nicht muss, weil es keine gibt. Stattdessen transportiert sie einige der besten Hooks, die seit langem zu hören waren. Seine aktuelle Tour heißt »Keep my heart beating«. Und es ist sicher, dass auch die Herzen seines Publikum schlagen – nur vielleicht etwas schneller als sonst.

Support: Hannah & Falco

Intime Harmonie: Das junge Musikduo aus Würzburg schreibt Songs zwischen Folk, Pop und Americana. Noch vor nicht so langer Zeit war Falco bei der Formation Chapter 5 aktiv, hat dort mit seinen Musikerkollegen den Preis für Junge Kultur in Würzburg (2016) erhalten und es 2017 bei BR 2 »Heimatsound« bis ins Finale geschafft. Doch das ist (leider) Geschichte; dafür steckt er jetzt sein ganzes Herz in das neue Duo-Projekt »Hannah & Falco«.

Ähnlich wie bei ihren Vorbildern Bon Iver (USA), Lisa Hannigan (IRL) oder Angus & Julia Stone (AUS) findet man bei Hannah & Falco keine Songs, die mit Pauken und Trompeten um die Ecke kommen. Stattdessen gibt es zarte gefühlvolle Texte, die anrührende, eindringliche Themen aufgreifen. Gereiftes Songwriting und wunderschöne, zweistimmige Gesangslinien über desillusionierte Liebe, Trauer und jugendliche Unsicherheit sind die Basis für eine Musik, in der man sich völlig verlieren kann und die einen nicht so schnell wieder loslässt. Obwohl das Duo erst seit eineinhalb Jahren zusammen Musik macht, schimmern doch die Zuneigung und das Vertrauen ihrer fünfjährigen Beziehung durch. Zusammen mit ihrer Begleitband »Familiar Faces« haben Hannah Weidlich und Falco Eckhof ihre erste EP »Blind For The Moment« aufgenommen und dafür drei Tage lang einen Raum in Falcos ehemaliger Schule zum Tonstudio umfunktioniert. Den Großteil ihrer Songs haben sie – in genre-typischer Tradition – live eingespielt.

Das Ergebnis ist pure Magie: Intime Folk-Balladen, poppig angehaucht, die von Hannahs und Falcos mehrstimmigem Harmonie-Gesang leben und auch von der knisternden Chemie zwischen den beiden. Mit den »Familiar Faces« haben Hannah und Falco nun die perfekte Band zu ihrer Unterstützung gefunden: Kontrabass, Klavier und Schlagzeug runden die Lieder in wunderbar entspannter Weise ab, machen Freude bei schnelleren Songs und schaffen eine fragile Tiefe.

29.07. / 20 Uhr / Themenabend »Tel Aviv«

Lucille Crew

International besetzt und ziemlich groovig: Lucille Crew schmeißt auf eine ziemlich coole Art und Weise Elemente des HipHop, Funks und Soul zusammen. Die beiden Masterminds der Crew sind der aus Baltimore stammende MC Rebel Sun und der Argentinier Isgav Dotan (Izzy). Die Band ist dafür bekannt, dass sie mit tollen, talentierten Sänger*innen zusammenarbeitet, die sich sozusagen die »Klinke in die Hand geben«.

Musikalisch ist einiges geboten: Zu hören gibt’s eine satte Mixtur, die von HipHop über rauchigen Club-Jazz bis hin zu Balkansound reicht. Und dazu abgefahrene Blechmusik, was durchaus auch mal in einer Party à la Gypsie enden kann. Jedenfalls wird hier gehörig viel musikalisches Können geboten – und alles unter dem Motto »move bodies and souls around the globe«.

Gegründet hat sich Lucille Crew gegen Ende 2011. Zuerst als Studio-Projekt, dann kurz nach der ersten EP, bei der auch der Sound-Designer Yoram Vazan (Mos Def, Wu Tang Clan) seine Finger im Spiel hatte, als »richtige« Band, mit echten Live-Auftritten. Nach und nach haben sich Musiker aus der israelischen Indie-Szene angeschlossen und so ist die heutige Formation gewachsen. Von Anfang an ist die Truppe auf einer Non-stop-Live-Tour, so auch zweimal durch Europa, wo sie unter anderem auf dem Reeperbahn-Festival vor ausverkauftem Haus gespielt hat und gleich zwei aufsehenerregende Shows bei »Liverpool-Sound-City« hatte. 2014 haben Lucille ihr erstes komplettes Album aufgenommen und ihre erste Single »Too Much« rausgebracht. Der Release von Album und Single fand in Israel statt, erhielt ein großartiges Feed-back und die besten Sendezeiten im Radio. Und – good news: Gerade arbeiten Lucille Crew  an einem neuen Album – wir dürfen gespannt sein.

JonZ – Weltmusik im Duo

Jenia Vasilenko und Yoav Or erschaffen hypnotische, emotionale und von Liebe infizierte Musik, die zugleich zart ist und rau. Es sind Lieder, deren Klänge berühren, Gänsehaut erzeugen, sich sanft in den Gehörgang schmeicheln und an die besten Zeiten von George Moustaki oder Joan Baez erinnern. JonZ wollen keine Folk-Band sein, die wie 10 andere Bands ist. Sie möchte Brücken zwischen Alt und Neu schlagen; etwas schaffen, das nicht nur folk-akustische oder klassische Musik oder elektronische Musik ist. So verbinden sie traditionellen Folk mit elektronischer Musik, orientieren sich an aktuellen Entwicklungen und Stilen und beziehen ihre Inspiration aus aller Welt.

Zwar ist ihr Sound letztlich nicht wirklich elektronisch, doch es gibt Passagen davon auf dem Album. JonZ spielen am liebsten akustisch, doch im Entwicklungsprozess, den ihr neues Album durchlief, gab es immer wieder elektronische Anteile, es ist also eine Kombination. Die Idee dahinter ist, ihre Musik zeitlos zu machen, sodass sie Menschen aller Altersgruppen berühren kann – von 0 bis 100 sozusagen. Für ihr neues Album haben die Künstler sich ungefähr ein Jahr Zeit genommen. Währenddessen haben sie mit vielen Bands zusammengearbeitet und gespielt, was zur Folge hatte, dass auch viele ihrer Freunde auf dem Album zu hören sind. Joav erklärt, »… (dass) sie eine multikulturelle Atmosphäre haben wollten und nicht, dass das Album ‘nach Israel klingt’ oder wie aus einer bestimmten Region.« Deswegen haben JonZ versucht, alle Musiker zu bekommen, die sie schätzen und die sie inspirieren. All die Schwingungen und Momente, die ihnen wichtig waren, haben sie gesammelt und zu ihren Song zusammengefügt. »Wenn man die Musik hört, fühlt man, dass das Herz Folk ist, gehüllt in eine Decke aus elektronischer Indie-Musik.« (Ariel D. Hendelman, Jerusalem Post, 17.3.2018).

JonZ ist es wirklich wichtig, dass ihre Songs nicht nur über etwas Individuelles erzählen, sondern etwas, mit dem sich jeder identifizieren kann. Jenia und Yoav können sich keinen anderen Weg vorstellen: Wenn sie mit Musikern zusammenarbeiten und es nicht gelingt, gute Texte zu schreiben, dann wird aus der Zusammenarbeit eben nichts. Yoav meint dazu: »Es wird langweilig, wenn ich versuche, Dinge zu erklären, die nur mir passiert sind und ich fühle, dass dies nicht wichtig ist. Aber wenn ich eine Frage stelle oder eine Meinung äußere, die für viele Menschen von Bedeutung ist, habe ich die Chance, die Leute zum Nachdenken zu bringen. Ich mag es nicht, zu viele Informationen in die Musik zu stopfen. Manchmal kann etwas wirklich Mildes und eine Minimierung der Geschichte dazu führen, dass man mehr darüber nachdenkt.«

30.07. / 20 Uhr / Frau Süss lädt sich Gäste ein

Duo Bassion

Als Duo Bassion begeistern sich Klaus Ratzek und Birgit Süss für Jazz und schöne Klänge. Sie mögen Volkslieder, französische Chansons, groovige Popsongs und schmachtende Balladen. Ursprünglich im Jazz heimisch, versuchen sie sich jedoch in diesem Rahmen auch immer wieder an neuen Dingen. Die beiden probieren alles aus, was ein Lied noch schöner oder verrückter machen könnte – dafür greifen sie dann schon mal neben Kontrabass oder Tuba zur singenden Säge oder zum Kazou, setzen Loops ein oder eine Melodika.

La Finesse

Das Streichquartett mixt Klassische Musik eindrucksvoll mit zeitgenössischen Musikstilen. Die vier jungen Frauen warten mit unverwechselbaren Arrangements auf und verstehen es, die Geschichte großer Meister auf ihren Instrumenten neu zu erzählen – traditionsbewusst und modern zugleich. Auf ihren Konzerten und Shows überzeugen La Finesse ihr Publikum mit Charme, Können und Witz. Mal präsentieren sie sich als Sinfonie- oder Filmorchester, mal als Zigeuner-, Rock- oder Pop-Band, unterstützt von Drums, E-Gitarre und E-Bass.

Sylwia Bialas

Die Musikerin ist in Polen geboren und aufgewachsen. Sylwias Liebe zur Musik rührt sozusagen schon aus Kindertagen. Der Stil ihrer Kompositionen, ihr Gesang und ihre Improvisation verleugnet nicht ihre polnischen Wurzeln, sondern feiert eher die musikalischen Traditionen ihrer Heimat. Mal klingt der Sound nostalgisch, mal lyrisch und immer entspringt er tief empfunden Gefühlen.

Meist schreibt und singt Sylwia Bialas polnische Poesie zu ihren Kompositionen und textet auch für die Musik anderer Künstler. Inspirieren lässt sie sich von Künstlerkollegen wie Keith Jarrett, Pat Metheney oder Esbjörn Svensson ebenso wie von skandinavischer Musik und Chopin. Über sich selbst erzählt Sylwia, dass es sie mit mehr Zufriedenheit erfüllt, wenn sie inmitten der Band ihren Teil beisteuern kann, statt vorne dran zu stehen, wie es oft von Leadsängern erwartet wird. Wenn sie im Zentrum der Musik steht, den Klängen lauscht und spürt, dass sie Teil des Ganzen ist, dann fühlt sie sich glücklich und dankbar.

Als Gast von Birgit Süss tritt Sylwia Bialas solo auf.

31.07. / 20 Uhr / Gisbert zu Knyphausen

Seltsames Licht

Der aus dem Rheingau stammende Singer-Songwriter hat zurzeit seine Zelte in Berlin aufgeschlagen. 2008 reüssierte er mit einem Debütalbum, das er mit seinem Namen betitelte. In seinen Texten verarbeitete er tiefsinnige Gedanken und brachte sie mit seiner Akustikgitarre unter die Leute. Sein Stil damals: oft lakonische und mit kauzigem Witz betextete Geschichten, sparsam instrumentiert und mit poppig, folkigen Melodien unterlegt. Weltschmerz halt, doch nicht ohne Hoffnung auf ein lohnendes Morgen.

Mit seinem aktuellen dritten Album »Das Licht der Welt« hat sich musikalisch allerdings einiges getan: Seine Musik ist offener und vielseitiger geworden. Gisbert zu Knyphausen hat sich transformiert, hat das Korsett des Liedermachers aufgeschnürt, neue Musiker einbezogen, seinen Stil und die Instrumentierung von melancholischem Ballast befreit. Es sind weniger Gitarren zu hören, dafür Vibraphone, Posaunen, Trompeten, Synthesizer und ein Klavier. Und textlich berührt Gisbert die Menschen auf eine Weise, die sehr sehr einmalig ist. Er geht ans »Eingemachte«, mitten rein in das Wesen der Dinge. Mit der ihm eigenen Eloquenz drückt er aus, was wir fühlen, jedoch oft schwer greifen können und initiiert so etwas durchaus Wertvolles: Erkennen und Erkenntnis.

Sieben Jahre hat sich Gisbert zu Knyphausen für sein neues Album Zeit gelassen. Zwischenzeitlich verfolgte er andere Projekte: so erschien 2012 etwa die Platte »I« von »Kid Kopphausen«, eine Gemeinschaftsarbeit mit Nils Koppruch, der, 46-jährig, leider nur wenige Wochen nach der Veröffentlichung überraschend verstorben ist.

2014 spielte er als Bassist für Olli Schulz auf dessen Tour. Im gleichen Jahr hat er mit seinem »Heimspiel Knyphausen« auf dem elterlichen Weingut ein Festival etabliert, das inzwischen zu den größten Open-Air-Veranstaltungen im Rheingau zählt. Und im Mai 2017 realisierte er mit dem dünnen Mann – aka Tobias Friedrich – und Moses Schneider (Soundmaker von den Beatsteaks und Tocotronic) eine EP. Die drei nennen sich »Husten« und sind die wohl unscheinbarste (aber beste?) Supergroup der deutschen Musikgeschichte.

Aber jetzt steht »Das Licht dieser Welt« im Mittelpunkt und damit zwölf neue Songs, die abermals voller Melancholie stecken, aber in gleicher Weise auch Mut machen. Zu Knyphausen hat dabei nicht nur seinen musikalischen Ausdruck überarbeitet, auch seine Erzählweise ist eine andere. Die Texte kommen weniger aus der Ich-Perspektive, sondern formulieren kleine Geschichten. Doch die Lieder handeln, wie auch auf den beiden Vorgängern, von der ewigen Sinnsuche, dem nicht einfach nur sein können, vom Tod und dem Umgang damit, und wie man es schafft, mehr Licht und Optimismus in sein Leben zu lassen. Und darauf versteht sich wohl niemand so gut wie Gisbert zu Knyphausen. Leute, das Warten hat sich gelohnt!

01.08. / 20 Uhr / Asaf Avidan

Der heisere Engel

1980 in Jerusalem geboren, gehört Avidan inzwischen zu den erfolgreichsten Sängern Israels. Er ist sicherlich einer der interessantesten internationalen Künstler der letzten Dekade. Selbst Songwriter, Komponist und Interpret seiner Stücke, schafft er mit seiner Musik eine Stimmung voller ineinander fließender Klangfarben und allen Nuancen zwischen Hell und Dunkel. Seine aktuellen Lieder sind Leidenschaft und Poesie pur mit starken Melodien und faszinierenden psychologischen Ambivalenzen. In seinen Songs begleitet er rebellische Indie-Riffs mit weinendem Bluessound, wechselt aus tiefen Tonlagen in die zarteste Kopfstimme und verarbeitet in seinen Stücken existentielle Emotionen wie Schmerz, Glück, Abschied und Hoffnung.

Ins richtige Musikbusiness stieg Asaf 2006 ein: Damals stellte er für eine Tour durch Clubs in Israel mit vier weiteren Musikern (Bassist Ran Nir, Schlagzeuger Yoni Sheleg, Gitarrist Roi Peled und Cellistin Hadas Kleinman) eine Band zusammen. Sie nannten sich Asaf Avidan & the Mojos und produzierten drei Alben, mit denen sie in Israel sehr erfolgreich wurden. 2010 nahmen sich The Mojos eine kreative Pause und 2012 kam es zur endgültigen Trennung. Inzwischen tourte Asaf Avidan, begleitet von der Cellistin Karni Postel, mit einem Akustikprogramm durch Israel, Frankreich und Deutschland. Das überwiegend positive Feed-back animierte ihn zu einem live eingespielten Akustik-Album [2012: Different Pulses].

Avidan ersang sich zwar eine begeisterte und immer zahlreichere Fangemeinde, doch ohne den Remix des Berliner DJs Wankelmut, der auf seinem Song »Reckoning« basiert und seitdem als »One Day« berühmt ist, gäbe es wohl kaum diese gewaltige weltweite Aufmerksamkeit. Bereits 1 Monat nach seinem Start auf Youtube hatte »One Day« über 11 Mio. Aufrufe. Inzwischen sind es über 200 Millionen.

Als Künstlerfigur bleibt Avidan eher amorph, ist nicht klar einzuordnen: Der Clubwelt jedenfalls, die ihn aus der Geheimtippecke auf die internationale Bühne katapultiert hatte, ist er entwachsen. Er ist auch keiner, der sich einem Massenpublikum andient, sondern jemand, der im Grunde nur sich selbst vorsingt. Vielleicht könnte man ihn vordergründig als Prototyp eines neuartigen, kosmopolitischen Künstlers beschreiben: Sein größter Hit entstand im Netz, seine maximal distinkte Stimme berührt über alle Kulturen hinweg, seine Themen bleiben universell. Er selbst reflektiert seine Entwicklung als offen, dynamisch und introspektiv. Fast wie ein »therapeutischer Prozess bei Freud«, sagt er. Für ihn forme der gesungene Texte ein »Narrativ«, berge also eine erzählerische Qualität. Die Musik sei ihm dabei »ein Werkzeug«, ein »Herauslassen«, um bei Verstand zu bleiben – und genau so hört es sich an.

Vor der Heftigkeit der seelischen und physischen Entäußerung, der Avidan sich überlässt, wenn er singt, schreckt man instinktiv zurück, ist es doch ein irritierender, fast kreatürlicher Prozess. Die Töne, die dabei entstehen, muss man nicht mögen. Man muss nicht entscheiden, ob seine Stimme schön, angenehm oder zu intensiv, weiblich oder männlich klingt. Sie rührt bis auf die Knochen, und allein darum geht es. Eine zutreffende Beschreibung dieser faszinierenden Stimme ist: »Bob Dylan and Janis Joplin made a baby together!« (ZEIT, 18/2013) Wer ihn gehört hat, weiß, warum.

02.08. / 20 Uhr / Dub FX

Ein Mann, ein Dubstep-Orchester

Der Australier Benjamin Standford ist Dub FX und als der ist er inzwischen in ganz Europa und auf den großen Festivals unterwegs. Seine Konzerte sind phänomenale Partys. »Blood, Sweat & Busking« – der Sänger, Rapper, Toaster und Beatboxer wird mit dem ersten Druck auf die Taste und seinen vokalen Beats zu einem wahren Dubstep-Orchester. Dub FX macht einfach alles, was an der Schnittstelle von Elektronik und menschlicher Stimme möglich ist.

Bekannt wurde Benjamin in seiner Heimatstadt Melbourne durch seine Konzerte auf öffentlichen Plätzen und Straßen bei denen er mittels eines Aufnahmegeräts seine eigene Stimme loopte und dazu mit dem Mund, der Nase und dem Rachen weitere Instrumente imitierte: »Beatboxing« nennt sich das und ist eine aufregende Mischung aus Dub, HipHop, Reggae und Drum`n Bass. Bei seinen Auftritten baut Stanford Schicht für Schicht und in Echtzeit rhythmusbetonte Musikstücke auf. Jede Schicht fügt ein weiteres »Instrument« hinzu, bis kolossale Sound-Komplexe entstanden sind.
Sollte man Dub FX noch nicht kennen oder von ihm gehört haben, kann man sich zuerst schon ziemlich »alleingelassen« vorkommen. Denn wenn er die Bühne betritt, sieht man nur einen jungen Mann neben einer Menge elektrischer Kisten mit Knöpfen und Kabeln – das war’s. Doch spätestens wenn er loslegt, transformiert sich jeglicher Zweifel zu absoluter Begeisterung: Stanford verwandelt sich in Dub FX, und damit in einen der besten Vertreter der Looping-Generation.

Angefangen hat er als Sänger in der Rapcore-Band Twitch in seiner Heimat Melbourne. Doch schon bald zog er nach Europa und klapperte den Kontinent als Straßenmusiker ab. Sein Talent und sein Equipment brachte die Passanten zum Staunen. Ziemlich schnell sorgten die Menschenmengen, die er mit seinen Skills anlockte, für Staus in den Fußgängerzonen. Reggae, Dub, HipHop und Drum’n’Bass sind die Konstanten seiner Musik, die unendlichen Möglichkeiten der menschlichen Geräuscherzeugung die Grundlage seiner Rhythmen, die kreative Begeisterung sein größtes Kapital als Musiker.

Bekannt wurde er, wie könnte es heute anders sein, durch You Tube. Dort animierten die Videos seiner Straßenperformances die Menschen zu immer mehr Klicks. Inzwischen spielt Dub FX in Hallen und auf großen Festivals, ist immer noch völlig unabhängig, bringt nach Lust und Laune Musiker mit auf die Bühne oder erzeugt noch immer jeden Ton und jeden Takt seiner Musik vollständig selbst. So oder so, es ist ganz einfach: Wenn Dub FX auf die Bühne kommt, startet die Show und los geht’s mit dem Spektakel.

03.08. / 20.30 Uhr / Till Brönner

Der »Trumpet Man«

Till Brönner ist auf jeden Fall der bekannteste Jazz-Trompeter in Deutschland. Er hat in unterschiedlichsten Formationen Alben aufgenommen, war als Produzent für Künstler*innen wie Filmdiva Hildegard Knef oder Bariton Thomas Quasthoff aktiv oder setzte sich live spontanen Situationen mit Freejazzern wie Baby Sommer oder Christian Lillinger aus. Auf seinem neuen Album »Nightfall« ist er als Duo mit dem Freiburger Bassisten Dieter Ilg zu hören.

Auf eine fast beispiellose Bandbreite der Intentionen und Einflüsse (Zitate von Songs von Leonard Cohen, den Beatles und Britney Spears, Stücke von Jerome Kern, Johnny Green und Ornette Coleman, Kompositionen von Johann Sebastian Bach und Melchior Vulpius und auch einige Eigenschöpfungen von Ilg und Brönner) lassen sich die beiden Musiker ein.

In nahezu jedem dieser Songs finden die beiden Partner neue Einfallswinkel und Perspektiven. Soli im klassischen Sinne des Jazz gibt es nicht. Wie in jedem guten Gespräch, das sich auf natürliche Weise entfaltet, liegt die Argumentation mal auf der einen, mal auf der anderen Seite. Brönner ist für Viele nicht nur der beste deutsche Jazz-Trompeter, sondern auch ein künstlerisches Multitalent: Als Musiker, Sänger, Komponist, Produzent und Fotograf sowie durch seine einzigartige Ausstrahlung und dem unverkennbar coolen Brönner-Sound fasziniert er sein Publikum auf der ganzen Welt.

Neben zwei Grammy-Nominierungen ist der »Jazz Trumpet Gentleman« Brönner der einzige Künstler, dem es gelang, in allen 3 ECHO-Kategorien (Jazz, Pop, Klassik) zu gewinnen. Und 2016 trat Till als einziger deutscher Künstler anlässlich des International Jazz Day bei einem All-Star-Konzert im Weißen Haus vor US-Präsident Barack Obama auf. 

Nun kommt der Soundartist auch an den Alten Hafen in Würzburg und bringt sein »The Good Life«-Programm mit. Dieses mitreißende Gesamtkunstwerk spielt und singt er in Begleitung seiner kongenialen Band mit Christian von Kaphengst (Bass), David Haynes (Drums), Bruno Müller (Guitar), Jasper Soffers (Piano), Jo Barnikel (Keyboard) und Mark Wyand (Saxophon). Das Hafensommer-Publikum darf beste Jazzmusik erwarten: Lieferung wird garantiert.

04.08. / 20.30 Uhr / Fink

Legendäre Live-Performance

Finian Paul (Fin) Greenall ist der Bandgründer des Trios »Fink«. In England geboren und in Berlin zuhause, hat er sich zusammen mit seinen langjährigen Bandkollegen Tim Thornton (dr, git) und Guy Whittaker (bass) eine internationale Fangemeinde erspielt. Zudem hat sich Fin Greenall weltweit einen Namen als Filmmusikkomponist gemacht, als Songwriting-Co-Autor (u. a. mit John Legend und Amy Winehouse) und als innovativer Solokünstler mit aktuellen Nebenprojekten, vom elektronischen »Horizontalism« (2015) hin zu »Fink’s Sunday Night Blues Club Vol.1« (2017).

Das aktuelle lbum heißt »Resurgam« – was übersetzt »ich werde auferstehen« bedeutet. Der Titel zitiert die lateinische Inschrift auf einem Gemälde in einer Kapelle in Greenalls Heimat Cornwall. Die Tönung darauf verkörpert die spezielle intime, basslastige Stimmung dieser jüngsten Tracks, die durch Greenalls charakterstarke, zarte und bewegende Stimme überzeugen. Über »Resurgam« meint er selbst »… das (Album) ist sehr bestimmt und geht viel mehr nach vorne als alles andere, was wir bislang gemacht haben.« Aufgenommen wurde »Resurgam« mit Produzenten-Legende Flood (PJ Harvey, U2, Foals, Warpaint, The Killers) in dessen Assault & Battery Studios in London. Es repräsentiert einen weiteren entscheidenden Fixpunkt für die Truppe, die schon immer bekannt war für ihre kühne musikalische Bandbreite, ihre internationale Reichweite (samt ihrer immens gefeierten und innovativen Livetouren), und dem Gefühl in ihrem Innersten.

Durch das ganze Album pulsiert eine lebendige und eindringliche Seele. Die zehn neuen Tracks sind eine Sammlung von Songs, die sehr selbstbewusst klingen und viel mehr auf Gefühl statt auf technische Fähigkeiten setzen. Ein wuchtiger, nachklingender Bass untermauert die gesamte CD, der eine Bandbreite neuer Elemente hinzugefügt wurde – über Floods eigene altehrwürdige Analog-Synths hin zu Saxophon (eingespielt von Gastmusiker Martin Slattery) und eine Rhythmusgitarre (auf »Godhead«), die einen westafrikanischen Einfluss hervorbringt und Greenalls mitreißendem Gesang eine hypnotisierende Kulisse bietet.

»Finks« Live-Qualitäten sind legendär und haben der Band überschwängliche Lobeshymnen auf der ganzen Welt eingebracht, ob sie nun ein intimes Gastspiel geben, Arenen rocken oder gar mit einem weltbekannten Amsterdamer Klassik-Ensemble gemeinsame Sache machen (ein Konzert, das 2013 als Livealbum »Fink Meets The Royal Concertgebouw Orchestra« veröffentlicht wurde). Demnächst auch am Alten Hafen in Würzburg – einfach mal hinpilgern.

05.08. / 20 Uhr / Meute

Cool hinausposaunt

Humptata und »dicke-Backen-Musik« ade – stattdessen Tumult und Remmi Demmi – die Hamburger Band Meute interpretiert Blechmusik neu. Das Musik-Projekt, das aus einem Dutzend Drummer und Blechbläser besteht, holt sich seine Inspiration aus der elektronischen Szene. Eine fast archaisch anmutende Ansammlung von Blechblasinstrumenten und Schlagwerkzeug bildet die Basis einer neuartigen Stilkreation: treibender, hypnotisierender Techno meets Pauken und Trompeten.

Als überliefert gilt, dass die Idee zu dieser Symbiose aus Elektronik und Blech in einem Berliner Club geboren wurde. Der studierte Jazztrompeter Thomas Burhorn beobachtete den DJ am Pult des Clubs und hatte spontan die Idee, selbst Techno oder Deep House zu spielen. Zurück in Hamburg nahm er sich sechs Klassiker der Clubmusik vor und arrangierte sie neu für Tuba, Posaune, zwei Trompeten, drei Saxofone, drei Schlagzeuger und eine Marimba.

Meute-Chef Burhorn pflegt einen minimalistischen Stil: Er verzichtet auf irre Tempi und virtuose Einlagen. Seine Arrangements bewahren weitgehend die Harmonie und den Rhythmus der elektronischen Originale. Gesang oder Improvisation: Fehlanzeige.
Die Virtuosität drückt sich in der Präzision aus, wie die elektronische Ästhetik möglichst exakt nachgeformt wird. Dieses Rendezvous von Elektronik und Handwerk macht den Sound von Meute unverwechselbar. Erhalten bleibt die hypnotische Monotonie des Elektro; die sterilen Sounds aus dem Computer werden allerdings durch die wärmer klingenden Bläser ersetzt.

Burhorn selbst hat Jazztrompete und Kulturmanagement studiert; er hat für Fettes Brot, Thomas D. und Kettcar gespielt, und er bringt Studenten an der Musikhochschule bei, wie man sich selbst vermarktet. Sein Credo: »Ein Projekt wird dann eher erfolgreich, wenn man die Idee mit wenigen Worten auf den Punkt bringen kann.« Für Meute funktioniert das mit dem Begriff: »Techno-Marching-Band«.

So weit so gut: ungewöhnliche Idee, professionell umgesetzt. Der Knaller jedoch kommt Ende 2015: Nach der Veröffentlichung ihres ersten Videos auf Youtube hatten Meute innerhalb einer Woche mehr als 400.000 Klicks. Selbst die Originalinterpreten der Songs waren begeistert. Das Berliner House-Duo Âme zum Beispiel kommentierte die Coverversion seines Song Rej mit den Worten: »Wer sagt jetzt noch, dass Deutsche Funk nicht können?« Und der portugiesische House-Produzent Gonçalo, von dem Meute das Stück Mental Help entliehen haben, schrieb auf Facebook: »Ich bin so stolz. Es ist herrlich, zu sehen, wie sich elektronische Musik in einen klassischen Track verwandelt. Großartige Leistung!«

Meute hat anscheinend alles richtig gemacht: Mit ihrem Mix aus »Elektronik und Handwerk« hat die Band Erfolg und befindet sich gerade auf einem Höhenflug. Kein Wunder, denn diese Crew muss man einmal live gesehen haben: Die physische Wucht macht spürbar, woher die Redewendung »mit Pauken und Trompeten« kommt. Besonders energisch vermittelt sich das, wenn sie nicht auf einer Bühne stehen, sondern im »musikalischen Dutzend« marching-mäßig spontan eine Straße oder einen Park zum Club umfunktionieren und den öffentlichen Raum innerhalb von Minuten in eine Tanzfläche verwandeln. Der bekannte Blogger »Schlecky Silberstein«, meint dazu nur: »Wie obergeil ist das denn bitte?«

Support: Pupkulies & Rebecca

Janosch Blaul, Rebecca Blaul und Sepp Singwald spielen sich schon seit 2006 als Trio durch die Clubs, haben Auftritte auf Konzertbühnen und Festivals in ganz Europa. Leichtfüßig, experimentell, minimal: Die emotionalen Popchansons von »Pupkulies + Rebecca« erschließen ein Klangspektrum, in dem ganz unterschiedliche musikalische Stile eine nahezu magische Symbiose eingehen. Sie selbst beschreiben ihre Musik als »elektronischen Chanson«. Es finden sich Elemente von House, französischem Chanson, Folk und auch der Musik der afrikanischen Insel Cabo Verde in ihren Klängen.

Wenn sich verschiedene Musikstile und Menschen aus unterschiedlichen Orten auf die Suche begeben, dann kreuzen sich ihre Wege ganz oft in Berlin. Und dort haben sich auch Janosch und Sepp kennen und schätzen gelernt. Als Band lassen sie sich gerne von anderen Stil-Richtungen inspirieren: »… die verschiedenen musikalischen und auch die instrumentalen Einflüsse machen das Arbeiten an der Musik so spannend. Gerade auch wenn man mit neuen Musikern zusammen spielt«, meint Janosch. Das Ergebnis dieser künstlerischen Haltung ist moderner Clubsound, gepaart mit traditioneller Weltmusik.

Häufig finden Rebecca, Janosch und Sepp ihren Weg auf eine spielerische Art. Das hört man ihren Songs auch an und hat selbst Spaß dabei. Auf ihren Alben kombiniert das Trio analoge Synthesizer und akustische Instrumente mit pulsierenden Housebeats. Und obendrauf gibt’s den lyrischen, hingehauchten Gesang von Rebecca – mal in Englisch, mal in Französisch, sogar mal im Kreol der Kapverden. In der deutschen Musiklandschaft gibt es wahrscheinlich keine Band, die ähnlich klingt und so einen tanzbaren Sound abliefert.

Bitte beachten

Speisen, Getränke, Rucksäcke, große Taschen, Stockschirme, Profikameras und gefährliche Gegenstände dürfen nicht auf das Festivalgelände mitgenommen werden. Bitte lassen Sie diese Dinge zu Hause. Auf dem Gelände gibt es kein Aufbewahrungsmöglichkeit oder Garderobe. Das Sicherheitspersonal ist berechtigt, Taschenkontrollen durchzuführen.